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Zukunft der Versorgung
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»Gerade in der Apotheke wird Gesundheit gelebt«

Auf dem Kongress für Gesundheitsnetzwerker wurde diskutiert, welche Rolle Apotheken zwischen Reformdruck, Digitalisierung und wachsendem Fachkräftemangel in Zukunft spielen. Klar wurde: Ohne stärkere Kooperation und neue Versorgungsmodelle wird es nicht gehen. 
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 19.03.2026  15:00 Uhr
»Gerade in der Apotheke wird Gesundheit gelebt«

»Arzneimittel sind keine Waren des täglichen Bedarfs, aber müssen da sein, wenn man sie braucht«, sagte Mathias Arnold, Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt. »Also auch am Sonntag und am Freitagnachmittag, wenn kein Arzt mehr da ist. Es geht um Sicherheit, es geht um den niedrigschwelligen Zugang zum System Gesundheit. Arzneimittel werden auch in Zukunft das wesentliche Werkzeug der Medizin bleiben.«

Grundlegende Bausteine einer Apotheke der Zukunft seien eine kooperative Primärversorgung in einem Netzwerk, mehr Verantwortung und mehr Aufgaben bei der Prävention, das Management chronischer Krankheiten, die Digitalisierung der Versorgung, der sinnvolle und sichere Einsatz von künstlicher Intelligenz sowie eine sichere Infrastruktur. Um eine sichere Versorgung aufrechtzuerhalten, brauche es »mehr Kooperation und keine Disruption«. 

Zwischen Fachkräftemangel und wachsender Nachfrage

»Wir müssen die Gesundheitsversorgung als Gesamtprozess betreiben«, so Arnold weiter. »Wir machen das, damit wir Arbeitskraft erhalten – ein knappes Gut – und damit den Menschen helfen, gesund und möglichst lange ein schönes und erfülltes Leben zu führen.«

Bis 2040 steige die Zahl der sogenannten »Heavy-User«, also der Menschen über 67 Jahre, auf vier Millionen an. »Das sind alles potenzielle Patienten für uns. Wir haben ein riesiges Marktwachstum vor uns liegen. Also von der Seite her können wir eigentlich ganz beruhigt in die Zukunft gucken«, erklärte der Apotheker.

Doch es gebe leider auch eine gegenläufige Tendenz: Die arbeitende Bevölkerung nehme ab. Zwar gebe es »jede Menge Patienten, die zukünftig oder schon heute an unsere Tür klopfen und versorgt werden wollen. Es fehlt aber an Arbeitskraft.« Der Mangel an Arbeitskräften resultiert neben der demografischen Entwicklung auch daher, dass die Berufsbilder im Gesundheitswesen nicht attraktiv seien, unter anderem gebe es lange Arbeitszeiten, Dienste müssten abgeleistet werden. 

Dennoch sieht Arnold die PTA-Vertretung nicht als Lösung. Das Medikationsmanagement bleibe an den akademischen Beruf gebunden. Er ist aber davon überzeugt, dass eine PTA auch Blutdruck messen oder impfen könne. »Das wird kommen. Hebammen haben sich akademisiert, das werden wir in der Apotheke auch sehen«, sagte er. Trotzdem ersetze eine Weiterbildung kein Staatsexamen. 

Arnold übte Kritik daran, dass sich die Vergütung der Apotheken seit über einem Jahrzehnt nicht verändert habe. Im aktuellen Gesetzentwurf finde sich jedoch keine Anpassung des Fixhonorars. Nach seiner Einschätzung wäre dafür auch kein Gesetz zwingend erforderlich, da eine Erhöhung grundsätzlich per Verordnung durch das Gesundheits- und Wirtschaftsministerium möglich sei. Auf die angedachte Verhandlungslösung blickt Arnold mit Spannung. Er geht jedoch davon aus, dass strittige Punkte letztlich vor einer Schiedsstelle landen werden. Unterschiedliche Preise für gesetzlich und privat Versicherte lehnt er ab.

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