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CRISPR 3.0 erstmals angewendet
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Genschere wird immer präziser

Sie ist deutlich genauer als die herkömmliche Genschere CRISPR/Cas: Die hochpräzise Genom-Editierungstechnologie Prime Editing wurde erstmals erfolgreich bei einem Menschen eingesetzt. Der Patient ist ein Teenager mit einer seltenen Immunerkrankung.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 20.05.2025  14:30 Uhr

Es geht Schlag auf Schlag. Mit Exagamglogen Autotemcel (Casgevy®) steht seit Beginn des Jahres ein erstes zugelassenes Gentherapeutikum auf Basis der Genschere CRISPR/Cas9 zur Verfügung. Und in der letzten Woche erschien eine Publikation im Wissenschaftsjournal »New England Journal of Medicine«, über die auch die PZ berichtete, in der die erfolgreiche Therapie einer seltenen Erbkrankheit mithilfe eines CRISPR-Baseneditors beschrieben wurde.

Jetzt widmet das Wissenschaftsjournal »Nature« einer noch nicht publizierten Arbeit einen »News«-Beitrag. Auch hier berichten Forschende über den Einsatz einer modifizierten CRISPR-Technologie, um einen 18-Jährigen gentherapeutisch zu behandeln. Der Patient litt an einer chronischen Granulomatose (Chronic Granulomatous Disease, CGD). Dabei handelt es sich um eine seltene und potenziell lebensbedrohliche Immundefizienz, bei der neutrophile Granulozyten in ihrer Funktion beeinträchtigt sind. Bei der Therapie des Patienten kam eine CRISPR-Modifikation zum Einsatz, die als Prime Editing bezeichnet wird.

Genaueste Variante der CRISPR-Technologien

Prime Editing gilt als die vielseitigste und genaueste Methode innerhalb der CRISPR-Technologiefamilie. Im Gegensatz zur klassischen CRISPR/Cas9-Technologie, die Doppelstrangbrüche erzeugt, ermöglicht Prime Editing ein gezieltes Umschreiben einzelner Basenpaare oder auch das Einfügen oder Entfernen kleiner DNA-Sequenzen.

Dazu wird eine modifizierte Cas-Endonuklease eingesetzt, die nur noch einen der beiden DNA-Stränge schneiden kann. Man bezeichnet diese Cas-Variante auch als Nickase (von Englisch: to nick – einschneiden), da sie den DNA-Doppelstrang gewissermaßen nur an-, aber nicht durchschneidet.

Die Nickase ist mit einer Reversen Transkriptase fusioniert, die im Folgenden eine RNA-Vorlage (die sogenannte prime editing guide RNA, pegRNA) nutzt, um die gewünschte genetische Veränderung direkt in die DNA einzufügen. Im letzten Schritt verwendet die behandelte Zelle dann den bearbeiteten Strang als Vorlage, um den komplementären Strang zu reparieren, wodurch die gewünschte Korrektur der mutierten DNA-Position zuverlässig übernommen wird. Dieses Verfahren war 2019 im Arbeitskreis von Professor Dr. David R. Liu vom Broad-Institut in Boston entwickelt worden.

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