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Elektronische Patientenakte
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Gematik beschließt automatische EPA für alle

Die elektronische Patientenakte (EPA) soll noch in dieser Legislaturperiode als eine Opt-out-Lösung funktionieren. Das hat die Gesellschafterversammlung der Gematik gestern beschlossen. Demnach soll die EPA dann für alle Versicherten automatisch eingerichtet werden.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 08.11.2022  10:40 Uhr

Die elektronische Patientenakte (EPA) soll für alle Versicherten noch in dieser Legislaturperiode als Opt-out-Lösung kommen. Das beschloss die Gesellschafterversammlung der Gematik gestern. »Wer das nicht möchte, kann aktiv widersprechen«, erklärte das Unternehmen.

Bislang gilt das »Opt-in«-Verfahren: Das heißt, Patientinnen und Patienten müssen sich selbst darum kümmern, eine EPA zu erhalten.  Beim von der Bundesregierung und der Gematik favorisierten »Opt out« Verfahren erhält man nur dann keine digitale Patientenakte, wenn man der Einrichtung einer EPA widerspricht. Die Gematik habe nun zunächst den Prüfauftrag für eine »Opt-out-EPA« erhalten. In dessen Rahmen sollen vier wichtige Opt-out-Dimensionen geprüft werden: die Bereitstellung der Akte, der Zugriff auf die EPA, ihre Befüllung und die pseudonymisierte Datenweitergabe zu Forschungszwecken. Ferner wurde beschlossen, dass auch der elektronische Medikationsplan (EMP) sowie die elektronische Patientenkurzakte (EPKA) Teile der EPA werden sollen.

Im Moment noch Registrierung bei der Krankenkasse

Aus Sicht der Gematik werden mit dieser Entscheidung die Weichen gestellt, um das Potenzial der elektronischen Patientenakte vollumfänglich auszuschöpfen. Durch die Bündelung relevanter Gesundheitsdaten aller Versicherten würde die Patienten­sicherheit erheblich gestärkt: Sämtliche an einer Behandlung beteiligte Leistungserbringer bekommen schnell und effizient einen Überblick über die Krankengeschichte von Patientinnen und Patienten. Außerdem können laut Gematik Medikationsprozesse besser begleitet und Doppeldiagnosen vermieden werden. 

Im Vergleich zur künftigen Opt-out-Lösung müssen sich Versicherte zurzeit bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse für eine EPA registrieren, um eine elektronische Patientenakte angelegt zu bekommen. Dieser Prozess soll im Rahmen der Opt-out-Lösung deutlich vereinfacht werden. Die aktuelle Version der EPA kann indes weiter genutzt werden und wird in den kommenden Monaten fortentwickelt. Wer bereits jetzt eine elektronische Patientenakte besitzt oder plant, sich eine einzurichten, wird später laut Gematik seine Daten auch in der Opt-out-Variante nutzen können.

Mit wenigen Klicks Gesundheitszustand einsehen

»Nur wenn wir Digitalisierung nutzen, können wir Medizin besser & effizienter machen«, twitterte Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Die EPA wurde als freiwilliges Angebot für die 73 Millionen gesetzlich Versicherten am 1. Januar 2021 in einer Testphase gestartet. Mit dem Gesellschafterbeschluss folgt die Gematik einer politischen Vorgabe der Ampelkoalition. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber hatte sich kritisch zum Opt-out-Verfahren geäußert. Der Chef der Techniker Krankenkasse Jens Baas lobte jedoch Lauterbachs Vorstoß: »Es ist richtig, dass die Umsetzung des Opt-out unter gleichzeitiger Wahrung der Freiwilligkeit jetzt höchste Priorität bekommt«, sagte er dem Handelsblatt.

»Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig die Verfügbarkeit und Vernetzung von Gesundheitsdaten sind.« Es sei wichtig, mit der Konzeption zu beginnen, »damit wir keine Zeit verlieren«. Laut TI-Dashboard der Gematik haben erst 556.000 der insgesamt 74 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland eine EPA. 

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