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Abnehmmittel
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Fünf neue Kandidaten am Start

Inkretimimetika wie Semaglutid und Tirzepatid haben einen regelrechten Hype in der Therapie der Adipositas ausgelöst. Und er geht weiter. Nachfolgende Wirkstoffe stehen bereits in den Startlöchern.
AutorKontaktKerstin A. Gräfe
Datum 09.02.2026  18:00 Uhr

Muskelmassenverlust verhindern

Darunter sind zwei Multirezeptor-Agonisten, von denen man sich eine noch stärkere Wirksamkeit als mit GLP-1-Analoga allein erhofft. Mit Retatrutid von Eli Lilly ist ein Triple-Agonist an GLP-1-, GIP- und Glucagon-Rezeptoren in Phase III der klinischen Prüfung. In der Studie TRIUMPH-4 verloren Patienten mit Adipositas und Gonarthrose rund 30 Prozent Gewicht in 68 Wochen. Gute Chancen hat auch der duale Agonist an GLP-1- und Glucagon-Rezeptoren Survodutid von Boehringer Ingelheim und Zealand Pharma. Die Gabe von Survodutid bewirkte in einer Phase-II-Studie nach 46 Wochen einen Gewichtsverlust von nahezu 19 Prozent. Beide Wirkstoffe werden wie Semaglutid und Tirzepatid einmal wöchentlich gespritzt.

Ein weiterer aussichtsreicher Kandidat ist das Amylinanalogon Cagrilintid des dänischen Unternehmens Novo Nordisk, das in fixer Kombination mit Semaglutid (Cagri/Sema) einmal wöchentlich gespritzt wird. Von der Kombination mit einem Amylinanalogon erhofft man sich eine physiologische Gewichtsreduktion, bei der mehr Muskelmasse erhalten bleibt als unter den Inkretinmimetika allein. In der Phase-III-Studie REDEFINE 1 erzielte Cagri/Sema eine Reduktion des Ausgangsgewichts um durchschnittlich 23 Prozent nach 68 Wochen. Aus den Daten ließ sich zudem unter Cagri/Sema eine Tendenz zu einem physiologischen Abnehmen ableiten.

Schlucken statt spritzen

Unter den oralen GLP-1-Agonisten in der späten Entwicklungsphase hat Eli Lilly mit dem nicht peptidischen Wirkstoff Orforglipron die Nase vorn. Er wird einmal täglich eingenommen. Laut der Phase-III-Studie ATTAIN-1 bewirkte Orforglipron in einer Dosierung von 36 mg nach 72 Wochen einen Gewichtsverlust von durchschnittlich 11 Prozent. Wie unter den anderen GLP-1-Rezeptoragonisten traten auch hier als häufigste Nebenwirkungen gastrointestinale Beschwerden auf.

Auch eine perorale Anwendung von Semaglutid ist möglich. Ein entsprechendes Präparat ist mit Rybelsus® hierzulande seit Juli vergangenen Jahres verfügbar. Zugelassen ist es bislang allerdings ausschließlich zur Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetes. In der Indikation Adipositas gibt es positive Daten aus der Phase-III-Studie OASIS 4.

In einer Dosierung von 25 mg täglich führte peroral verabreichtes Semaglutid nach 64 Wochen zu einem Gewichtsverlust von durchschnittlich 14 Prozent. Ein Gewichtsverlust von mindestens 20 Prozent wurde bei 30 Prozent der mit Semaglutid behandelten Personen erreicht. 74 Prozent der Patienten hatten bei dieser Dosis gastrointestinale Beschwerden, die aber nur selten zu einem Studienabbruch führten (3,4 Prozent).

Aufgrund dieser Daten ist in den USA Wegovy® als orale Formulierung zur Gewichtsreduktion und kardiovaskulären Prävention seit Ende vergangenen Jahres zugelassen. Auch hierzulande prüft die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) einen entsprechenden Antrag.

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