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Hauterkrankungen
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Fünf Hinweise zur atopischen Dermatitis bei Säuglingen

Mehr als jeder zehnte Säugling leidet an der chronischen Hauterkrankung, die starken Juckreiz verursacht und meist in Schüben auftritt. Was es bei der Hautpflege, der Anwendung von topischen Corticosteroiden und bei der Ernährung zu beachten gilt.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 07.11.2022  15:30 Uhr

Trockene, gerötete und stark juckende Haut: Etwa 10 bis 20 Prozent der Säuglinge und Kleinkinder in Deutschland sind von atopischer Dermatitis betroffen. Die chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung resultiert aus einer gestörten Hautbarriere. Was es bei Säuglingen und Kleinkindern mit atopischer Dermatitis zu beachten gilt, verrät ein Forschungsteam um Dr. Anna Whalen-Browne von der kanadischen McMaster University in Hamilton in einem Artikel, der jetzt im Fachjournal »Canadian Medical Association Journal« veröffentlicht wurde.

1.  Atopische Dermatitis richtig abgrenzen

Die entzündeten Hautstellen konzentrieren sich bei Säuglingen und Kleinkindern zumeist auf die Wangen, die Außenseiten der Arme und Beine sowie auf den Rumpf. Ausschläge in den Kniekehlen oder Ellenbeugen, wie sie häufig bei Erwachsenen vorkommen, bilden sich dagegen in der Regel erst später aus.

Abzugrenzen von der atopischen Dermatitis sind die irritative oder die seborrhoische Dermatitis. Bei Ersterer reagiert die Haut mit Hautausschlägen auf reizende Substanzen, die sich bessern, sobald die Reizstoff-Exposition endet. Eine seborrhoische Dermatitis äußert sich durch rote oder helle Flecken im Gesicht und am Kopf sowie fettigen Schuppen. Juckreiz tritt selten auf.

2. Zweimal täglich eincremen

Generell gilt: Am besten helfen diejenigen Pflegeprodukte, die sehr regelmäßig angewendet werden. Dafür eignen sich sogenannte Emollienzien, topische Trägersubstanzen ohne aktive Inhaltsstoffe. Zweimal pro Tag großzügig aufgetragen, schützt eine rückfettende und feuchtigkeitsbindende Pflege die Haut vor dem Austrocknen und lindert den Juckreiz.

3. Topische Corticoide: So wenig wie möglich, so viel wie nötig

Gegen entzündete Hautstellen können cortisonhaltige Cremes oder Salben helfen. Es gilt, die jeweils niedrigste, wirksame Dosierung zu verwenden. Whalen-Browne und Kollegen berichten in ihrem Artikel, dass es fast genauso wirksam sei, topische Cortisonpräparate nur einmal statt zweimal täglich anzuwenden. Dies erhöhe die Therapietreue und senke die Therapiekosten bei ähnlichem Effekt.

Bei einer leichten atopischen Dermatitis genüge es, die Entzündungshemmer nur während des Schubs einzusetzen. Bei sehr häufigen wiederkehrenden oder hartnäckigen Beschwerden empfehle es sich, bis zum vollständigen Abklingen des Schubs ein mittelstarkes Corticosteroid wie Betamethasonvalerat 0,05 Prozent oder ein starkes wie Mometasonfuroat 0,1 Prozent  auf die betroffenen Körperstellen – mit Ausnahme des Gesichts – aufzutragen. Nach vollständiger Remission soll eine etwa dreimonatige Behandlung mit topischen mittelstarken Corticosteroiden oder topischem Pimecrolimus an zwei aufeinander folgenden Tagen pro Woche erfolgen.

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