| Johanna Hauser |
| 02.10.2026 15:30 Uhr |
Ein hartes Training bringt die Muskeln zum Brennen. Dafür ist jedoch nicht – wie lange gedacht – Lactat verantwortlich. / © Getty Images/puhhha
Wenn nach intensiver Belastung der Muskel brennt, ist für viele Sportler klar: Die erhöhten Milchsäurespiegel sind schuld. Doch ein Bericht in »The Conversation« räumt mit diesem weitverbreiteten Mythos auf. Stattdessen zeigt er, dass Lactat den Muskeln sogar helfen kann.
Der eigentliche Auslöser des Brennens sei nach heutigem Kenntnisstand die Aktivierung spezieller Nervenzellen in und um die Muskulatur. Diese seien mit Hirnarealen verbunden, die für Schmerzempfindungen in den Muskeln zuständig sind, schreibt Dr. Shaun Phillips, Dozent für Sport- und Bewegungsphysiologie an der Universität Edinburgh.
Bei intensiver körperlicher Belastung entstehen verschiedene Stoffwechselprodukte wie Wasserstoffionen, Lactat und ATP, die von diesen Nerven registriert werden. Je stärker die Belastung, desto mehr dieser Substanzen fallen an und desto intensiver fallen die Schmerzsignale aus. Dabei scheint das charakteristische Brennen nicht auf einen einzelnen Stoff zurückzugehen, sondern auf das Zusammenspiel mehrerer Signale, die während harter Muskelarbeit entstehen.
Lactat wird zwar bei körperlicher Anstrengung vermehrt gebildet, scheint aber eine andere Rolle zu spielen als bisher angenommen. Der Artikel betont, dass Lactat die Muskulatur nicht übersäuert. Im Gegenteil: Seine Bildung verbraucht Wasserstoffionen und begrenzt dadurch den Säuregehalt der Muskeln. Zudem dient Lactat als wichtige Energiequelle für Muskeln, Herz und Gehirn. Selbst in Ruhe und bei ausreichender Sauerstoffversorgung wird es kontinuierlich produziert und genutzt.
Auch der oft geäußerte Verdacht, Lactat sei für den Muskelkater verantwortlich, halte einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand, so Phillips. Bereits 30 bis 90 Minuten nach einer intensiven Belastung seien die Lactatspiegel wieder auf das Ausgangsniveau gesunken. Muskelkater tritt dagegen typischerweise erst ein bis drei Tage später auf. Forschende vermuten eher eine erhöhte Empfindlichkeit der Nervenstrukturen im Zusammenhang mit Muskelbewegung.