| Jennifer Evans |
| 09.10.2026 07:00 Uhr |
Augenringe ade: Influencer versprechen ein perfektes Hautbild durch einen ausreichend gefüllten Eisenspeicher. / © Shutterstock/Melnikov Dmitriy
In den sozialen Netzwerken verbreitet sich die Behauptung, ein niedriger Ferritinspiegel sei direkt im Gesicht erkennbar. Das sogenannte Ferritin Face zeigt sich demzufolge durch dunkle Augenringe, fahle Haut und einen müden Teint. Nach Ansicht der Influencer hilft dagegen jedoch keine Maske, Creme oder ein kühlender Augenroller, sondern die Korrektur des körpereigenen Eisenhaushalts.
Dr. Chloe Casey, Dozentin für Ernährung und Verhalten an der Fakultät für Gesundheits-, Umwelt- und Medizinwissenschaften der englischen Bournemouth University, hat auf der Wissenschaftsplattform »The Conversation« erläutert, was an dem Trend Medizin oder Mythos ist.
Ja, Eisen spielt eine zentrale Rolle für die Sauerstoffversorgung, den Energiestoffwechsel sowie die Immunfunktion. Und ja, Ferritin gilt als verlässlicher Marker für die Eisenvorräte des Körpers. Sinken sie deutlich ab, kann sich eine Eisenmangelanämie entwickeln. Richtig ist auch, dass neben Müdigkeit, Leistungsabfall, Haarausfall und brüchigen Nägeln auch eine blassere Haut zu den typischen Symptomen zählt. Insofern enthalte das Ferritin Face durchaus einen wahren Kern, schreibt sie. Aber: Ein charakteristisches Gesichtsbild, das allein auf einen niedrigen Ferritinwert schließen lasse, existiere nicht.
Laut Casey könnten Blässe, Augenringe oder ein erschöpfter Ausdruck nämlich auch andere Ursachen haben, wie Schlafmangel, Stress, Dehydrierung, hormonelle Veränderungen oder Nährstoffdefizite. Ob ein Mensch tatsächlich unter Eisenmangel leidet, lässt sich also nicht einfach im Spiegel erkennen. Dafür sind Laborwerte nötig.
Gleichzeitig warnt sie davor, wie stark im Netz die Grenze zwischen Gesundheitsaufklärung und Produktwerbung verschwimmt. Häufig würden Nahrungsergänzungsmittel als schnelle Lösung für Beschwerden angepriesen und mit Schönheitsidealen verknüpft.
Die Wissenschaftlerin weist ebenfalls darauf hin, dass gerade beim Spurenelement Eisen nicht gilt: Viel hilft viel. Im Gegenteil könne eine übermäßige Supplementierung gesundheitliche Risiken mit sich bringen – angefangen bei gastrointestinalen Beschwerden bis hin zu Blutdruckabfall, Vergiftungen oder Leberversagen. Liege tatsächlich ein Mangel vor, rät sie dazu, zunächst über die Ernährung gegenzusteuern – und nicht über online beworbene Eisenpräparate. Leichter nimmt der Körper Eisen über tierische Produkte wie Fleisch, Fisch oder Geflügel auf. Weniger effizient verarbeitet er es aus pflanzlichen Quellen wie Hülsenfrüchten, Haferflocken oder grünem Blattgemüse. Zusammen mit Vitamin C lässt sich die Resorption jedoch verbessern.
Bei Menschen mit einem erhöhten Risiko für eine Eisenmangelanämie, beispielsweise bei starker Menstruation, Schwangerschaft oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, müsse ohnehin ein Arzt das Ganze abklären, so Casey.