Verzicht boomt, besonderen unter jungen Menschen. Forschende warnen auch vor gesellschaftlichem Druck und problematischen Trends. / © Adobe Stock/Pixel-Shot
Fasten war lange eng mit Religion verbunden. Wenn Menschen heute auf Süßes, Fleisch oder Internet verzichten, geht es auch um Gesundheit, Abkehr von Überkonsum, Achtsamkeit oder Selbstoptimierung.
»Wenn man heute darauf schaut, auf was die Menschen verzichten, ist es doch sehr komplex«, berichtet Professor Dr. Eva Barlösius von der Leibniz Uni Hannover. »Es wird bewusst auf etwas verzichtet, was einem liebgewonnen und angenehm ist. Das können Fleisch, Süßigkeiten oder Alkohol sein, aber auch das Smartphone, Fernsehen oder Autofahren.« Es gehe mitunter also auch um eine Abkehr von Angewohnheiten, die man wieder unter Kontrolle bekommen wolle.
Nicht selten streichen Menschen Dinge, die »etwas Suchthaftes haben«, erläutert die Soziologin. Eine zeitliche Vorgabe bestehe nicht, das sei eine ganz persönliche Wahl. Barlösius weist aber darauf hin: »Fasten ist zeitlich begrenzt. Sonst ist es nicht mehr Fasten, sondern ein Lebensstil.« Beispiel: Wochenlang keine Wurst und Fleisch, ist Fasten. Immer ohne Wurst und Fleisch, ist vegetarischer Lebensstil.
In einer von der DAK-Gesundheit beauftragten repräsentativen Forsa-Umfrage sagen 72 Prozent der gut 1000 Befragten ab 18 Jahren, dass sie einen Verzicht aus gesundheitlichen Gründen für sinnvoll halten. Mehr als die Hälfte gab an, schon öfters vorübergehend auf Genussmittel oder ein Konsumgut verzichtet zu haben. Besonders hohe Zustimmung gibt es in der jungen Gruppe 18 bis 29 Jahre. Alkohol, Süßes und Fleisch standen in der Umfrage vom März 2025 ganz oben auf der Verzichtliste.
Laut Barlösius sehen viele Fastende ihren Verzicht »als Möglichkeit, Selbstbefähigung, Selbstkontrolle und Selbstbestimmtheit wiederzugewinnen«. Die Form wählten die Menschen heute ganz individuell für sich aus. Motivation und Hintergrund des Fastens haben sich also stark verändert. »Das Fasten war in der Geschichte lange eng assoziiert mit Religion, und das ist sicher der Ursprung.« Aus der katholischen Tradition heraus hat sich als Startpunkt der Fastenzeit für viele der Aschermittwoch etabliert.