Die Freie Apothekerschaft kritisiert den Umgang der SPD mit der Apothekerschaft. / © imago images/Reiner Zensen
In dem mit »Liebe Freunde« titulierten Brief vom 27. März wurden die SPD-Abgeordneten eingeschworen, sich nicht verunsichern zu lassen, wenn Apotheken gegen die Gesundheitspolitik »agitieren«. Hintergrund des SPD-Briefs war der anstehende Bericht der Finanzkommission Gesundheit zu Einsparungen im Gesundheitswesen.
Um einige bereits unter Vorgänger-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angestoßene Reformen nun final umzusetzen, gehe es auch darum, »Lobbyinteressen mutig entgegenzustehen«.
»Lasst euch deshalb nicht verunsichern, wenn Arztpraxen oder Apotheken gegen die Politik agitieren oder Pharmalobby und Verbändevertreter Patientinnen und Patienten verunsichern, weil sie ihre eigenen Interessen angegriffen fühlen«, heißt es in dem SPD-Brief, der der PZ vorliegt.
Die Freie Apothekerschaft (FA) zeigt sich entsetzt über diesen Umgang und die damit deutlich werdende Ignoranz hinsichtlich der Nöte der Apotheken. »Es macht uns fassungslos, mit welcher Ignoranz die SPD-Fraktionsführung die existenziellen Nöte der Apothekerschaft abtut«, erklärte die FA-Vorsitzende Daniela Hänel in einer Mitteilung. Die flächendeckende Versorgung sei akut bedroht.
Mit der im Brief geäußerten Behauptung, die Basis würde lediglich aus »Lobbyinteressen agitieren«, blende man die dramatische Realität völlig aus. »Die Schließungswelle ist kein Mythos und keine ›Agitation‹«, stellt die FA im Brief klar. Wenn Apotheken schließen, sei das kein taktisches Manöver von Verbänden. »Es ist das bittere Ergebnis einer chronischen Unterfinanzierung, die auch zu einem großen Teil in Ihre Verantwortung fällt.«
Aktuell gebe es bundesweit nur noch 16.600 Apotheken – »der tiefste Stand seit fast 50 Jahren«, so Hänel. Allein im vergangenen Jahr mussten demnach 440 Apotheken schließen. »Das ist keine Verunsicherungstaktik, das ist das Sterben der wohnortnahen Arzneimittelversorgung auf Raten«, warnt die FA-Vorsitzende.
Besonders scharf kritisiert der Verband die Passage des SPD-Briefes, wonach »genug Geld im System« sei. Und kontert in seinem offenen Brief: »Das Apothekenhonorar ist seit 2004 nur marginal gestiegen und seit über einem Jahrzehnt eingefroren, während die Betriebskosten in diesem Zeitraum um rund 65 Prozent gestiegen sind.«