| Alexander Müller |
| 03.02.2026 10:22 Uhr |
Ex-Noventi-Chef Hermann Sommer soll nach PZ-Informationen für den Direktabrechner Scanacs tätig werden. / © PZ/Alois Mueller
Nach PZ-Informationen soll Sommer künftig für Scanacs tätig werden. Zwar gebe es noch keinen Abschluss, aber dass Sommer beim Direktabrechner mitmischen wird, bestätigen mehrere voneinander unabhängige Quellen aus dem Umfeld.
Mit Sommer holt Scanacs einen Experten in Sachen Rezeptabrechnung: Viereinhalb Jahre war Sommer CEO beim Marktführer Noventi. Doch im September 2022 wurde er als Vorstand abberufen, »insbesondere wegen unüberbrückbarer Differenzen bei Unternehmensführung und -strategie«, wie das Unternehmen damals mitteilte. Seitdem wird Noventi von Mark Böhm und Frank Steimel geführt.
Sommer ist heute als Berater unterwegs, als Geschäftsführer seiner »Digital Brainbox GmbH«, die sich um Softwarekomponenten und Plattformlösungen im Gesundheitswesen kümmert und Beratung in der Projektierung der Softwarelösungen anbietet. Die »S-VG Sommer« ist Sommers eigene Vermögensverwaltungsgesellschaft, für »M&A, Restrukturierung und Neuausrichtung, Beteiligung, Investor, Beratung« gibt es außerdem die »Strive AG«, bei der Sommer als Vorstand geführt wird.
Welche Rolle er genau bei oder für Scanacs übernehmen soll, war bislang nicht zu erfahren. Eine direkte Beteiligung am Unternehmen ist dem Vernehmen nach nicht geplant, über Bande könnte es aber sogar ein finanzielles Engagement geben.
Scanacs wurde vor zwei Jahren aus der Insolvenz gerettet. Als neuer Investor waren insbesondere die Guten-Tag-Apotheken (Elac Elysée) eingestiegen, auch das Softwarehaus Promedisoft war engagiert und Scanacs-Gründer und Geschäftsführer Frank Böhme hält ebenfalls Anteile.
Die Elac-Apotheken können ihre E-Rezepte derzeit kostenlos über Scanacs abrechnen. Da die Kooperation traditionell einen engen Draht zur Noventi hatte, spürt das standeseigene Rechenzentrum den neuen Wettbewerber dem Vernehmen nach mehr als andere Anbieter im Markt.
Allerdings hat auch Scanacs nach wie vor keinen leichten Stand im Markt, weil die Krankenkassen den Mehraufwand der Einzelabrechnung scheuen. In Baden-Württemberg hat die AOK daher einen neuen Arzneiversorgungsvertrag mit den Verbänden geschlossen. Die Rechenzentren erhalten demnach früher im Monat einen höheren Abschlag. Damit verpflichten sich die Kassen, spätestens zum 3. Kalendertag des Monats eine Abschlagszahlung in Höhe von 90 Prozent des Durchschnittsbetrags der drei vorherigen Monate an das Rechenzentrum zu leisten. Das Argument einer verbesserten Liquidität durch die Direktabrechnung ist damit ausgehebelt.
In der Ergänzung zum Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung heißt es zudem: »Die Abrechnung einer Apotheke über mehrere Rechenzentren ist nicht zulässig.« Das erschwert die Direktabrechnung, weil ein relativ stabiler Anteil an Verordnungen nach wie vor als Papierrezepte ausgestellt wird – insbesondere im hochpreisigen Marktsegment. Scanacs bietet über die Kooperation mit dem AZ Nord zwar auch diese Dienstleistung an, formal sind es damit aber zwei Rechenzentren.