Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Berufsständische Versorgung
-
Es begann mit der Zuschusskasse Zutada

Umfangreiche Materialien der »Zutada – Zuschußkasse der Deutschen Apothekerschaft« geben detaillierten Einblick in die berufsständische Versorgung während der NS-Diktatur. Zugleich lenken sie den Blick auf die Anfänge von Versorgungskassen für angestellte Apotheker.
AutorKontaktClaudia Sachße
Datum 23.12.2025  07:00 Uhr

Seit 1933: Verfolgung und Gleichschaltung

1933 erfuhren die Angestelltenorganisationen und die Zutada eine weitere Umstrukturierung mit Inkrafttreten der Gleichschaltung der Apothekerverbände. Schon länger wurden den Zutada-Verantwortlichen Verfehlungen und unwirtschaftliches Handeln vorgeworfen: Sie hätten Pflichtbeiträge nicht eingefordert, »Scheinverträge« von zahlungspflichtigen Pächtern akzeptiert, die sich als bloße Verwalter ausgaben, ungerechtfertigte »Leistungszulagen« oder Rückzahlungen wären erfolgt beziehungsweise ausgenutzt worden. Die Verantwortlichen verwehrten sich inständig gegen diese Vorwürfe (AZ 1932, 1123 f.; AZ 1933, 1109–1111; Schröder, 151–164).

Eine kommissarische Überwachung wurde eingesetzt sowie maßgebliche Änderungen umgesetzt. Auch ein aufgebautes Defizit der Zutada musste ausgeglichen werden. Die Festsetzung der neuen Zuschüsse betraf unter anderem die Frauenzulage, da viele Frauen durch Heirat aus dem Fach gingen, die Kinderzulage nach Zahl der Kinder, die Dienstalterzulage sowie Rentenzahlungen, zum Beispiel aufgrund von Arbeitsunfähigkeit. Berücksichtigt wurden nun auch Frontkämpfer und Kriegsbeschädigte.

1938 wurde die Zutada von der Reichsapothekerkammer übernommen. 1942 wurden die Beiträge erhöht; zum Heeresdienst einberufene Mitarbeiter wurden befreit, deren Familienzuschüsse jedoch weiterbezahlt (Schlick, 102). Ab 1944 hatten die Apothekenbesitzer die Beiträge allein zu entrichten.

Zuschusskasse von 1934 bis 1945

Ein großer Bestand an Akten aus der Zeit der umstrukturierten Zutada nach 1933 wurde vom Berliner Apotheker-Verein dem Deutschen Apotheken-Museum als Schenkung übergeben: 50 Kisten mit circa 4000 Akten (Abbildung 1). Unser Dank gilt dem langjährigen Vereinsvorsitzenden, Dr. Rainer Bienfait, für seine Unterstützung.

Mehr als 7000 Akten von Apotheken sowie Apothekenbesitzern/-pächtern gehörten ursprünglich zu dem Archiv, von denen sich nach erster Schätzung etwa 4000 erhalten haben. Die Korrespondenzen decken mindestens den Zeitraum 1934 bis Jahresende 1945 ab. Durchgehend haben alle Akten den Namen des/eines Apothekenbesitzers sowie eine bis zu vierstellige Nummer.

Sie enthalten meist nüchterne Korrespondenz der Zuschusskasse mit Apothekern zu Beitragszahlungen, zum großen Teil An- und Abmeldungen für angestellte Apotheker oder Kandidaten, Abrechnungen, Mahnungen oder Gutschriften über zu zahlende oder zu viel gezahlte Beiträge sowie Beitragsbefreiungen aus diversen Gründen.

Mehr von Avoxa