H5N1-Ausbrüche unter Kühen wären eine extreme Herausforderung für die ohnehin schon von Krankheiten wie der Blauzungenkrankheit geplagten Milchvieh-Betriebe. Milch H5N1-infizierter Kühe dürfte in Europa nicht verkauft werden. Ohnehin ist die Milchproduktion bei erkrankten Tieren vermindert, die Milch selbst dickflüssig und verfärbt. Die meisten Milchkühe erholen sich von der Erkrankung.
Rinder sind Beer zufolge neben dem Menschen die einzigen bekannten Lebewesen, bei denen das Virus nicht vor allem das Gehirn betrifft: Bei Milchkühen sei das Euter, beim Menschen Augen und Atemwege betroffen.
In den USA waren im März 2024 erstmals mit Vogelgrippe infizierte Milchkühe entdeckt worden – erste Tiere waren aber wohl schon im Herbst 2023 erkrankt. Rasch waren hunderte weitere Betriebe betroffen, es folgten Nachweise bei Haustieren wie Katzen und dutzenden Menschen, meist Farmarbeiter oder Tierärzte. Experten schätzen die Dunkelziffer nicht erfasster Fälle als sehr hoch ein.
In Deutschland wäre intensiv versucht worden, das Geschehen zu stoppen – in den USA seien derlei Maßnahmen kaum zu erkennen gewesen, hatte Beer einmal erklärt. Experten gehen davon aus, dass ein großer Teil der US-Betriebe inzwischen durchgeseucht ist.
Das australische Festland ist der letzte Kontinent, der bisher noch als frei von der Vogelgrippe gilt. Würden die Vogelpopulationen dort über Zugvögel mit dem ihrem Immunsystem völlig unbekannten Erreger konfrontiert, wären die Folgen furchtbar. Dass der Kontinent langfristig verschont bleibt, halten Experten allerdings für höchst unwahrscheinlich.
Virusfrei war lange Zeit auch die antarktische Region. Im Oktober 2023 wurde H5N1 dann aber auf der kleinen, Südgeorgien vorgelagerten Insel Bird Island nachgewiesen. Im Februar 2024 wurde H5N1 erstmals auf dem antarktischen Festland festgestellt. In die antarktische Region wiederum gelangte H5N1 von Südamerika aus, wohin es Ende 2022 vorgedrungen war. In den Jahrzehnten davor war Südamerika stets vogelgrippefrei geblieben. In Nordamerika hatte es 2015 erste Vogelgrippe-Nachweise gegeben.
Europa sucht das aus Asien stammende Virus schon viele Jahre länger heim. Allerdings gibt es erst seit 2021 das ganze Jahr hindurch Infektionen, davor trat der Erreger fast nur in Zusammenhang mit dem Vogelzug in der kalten Jahreszeit auf. Tests bei Milchkühen hierzulande blieben bisher immer unauffällig. Zahlreiche Nachweise gibt es aber unter anderem bei Füchsen, Marderhunden, Dachsen und anderen wildlebenden Fleischfressern.
Die Zahl der Ausbrüche von Vogelgrippe bei Säugetieren stieg im Jahr 2024 deutlich. Die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) schrieb in ihrem Bericht von 1022 gemeldeten Fällen – im Vergleich zu 459 im Jahr 2023. Das Risiko dafür, dass Menschen sich anstecken, bleibe zwar gering, hieß es von der Organisation. Je mehr Säugetiere betroffen seien, desto höher sei auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus sich so anpasse, dass es von Säugetier zu Säugetier und womöglich auch auf den Menschen übertragen werden könne.
Das Virus H5N1 wurde schon bei sehr vielen Säugetier-Arten gefunden. Neben Kühen und Katzen waren verschiedene Raubtierarten von Nerz, Fuchs und Bär bis hin zu Seehunden und Kegelrobben betroffen. Auch bei einem Schaf in Großbritannien wurde H5N1 schon nachgewiesen.