Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Neuralink
-
Erstes Gehirn-Implantat beim Menschen eingesetzt

Die von Elon Musk gegründete Medizintechnik-Firma Neuralink hat ihr Gehirn-Implantat zum ersten Mal einem Menschen eingesetzt. Wie funktioniert das – und was sagen Experten dazu?
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 01.02.2024  16:30 Uhr
Erstes Gehirn-Implantat beim Menschen eingesetzt

Der Patient erhole sich nach dem Eingriff am Sonntag gut, schrieb Elon Musk am Montag auf seiner Online-Plattform X, nachdem seine Medizintechnik-Firma Neuralink ihr Gehirn-Implantat zum ersten Mal einem Menschen eingesetzt hatte. Das Implantat von Neuralink soll es ermöglichen, durch Gedanken ein

Smartphone zu bedienen – und darüber auch andere Technik. Auch weitere Unternehmen und Forscher arbeiten an solchen Verfahren.

Die Idee von Neuralink war es, eine Schnittstelle zwischen Gehirn und Maschine (Brain-Machine-Interface, BMI) zu entwickeln, die sowohl sensorische als auch motorische Funktionen bei Menschen mit neurologischen Störungen wiederherstellen kann.

Der Chip von Neuralink wird mithilfe eines Roboters operativ in das Gehirn eingesetzt. Er ist ungefähr so groß wie eine Ein-Euro-Münze, verfügt über 1024 Elektroden und wird von einer kabellos aufladbaren Lithiumbatterie betrieben. Neuralink baut dabei auf dem Konzept der tiefen Hirnstimulation auf. Ein spezieller, in den Chip integrierter Schaltkreis überwacht die elektrischen Signale des Gehirns beziehungsweise die Neuronenaktivität des Patienten in Echtzeit.

Die gemessenen elektrophysiologischen Muster stellen dabei ein Abbild der Gedanken dar. Aus diesen Mustern generiert das Implantat konkrete Befehle, die es an Endgeräte wie beispielsweise Smartphones sendet. Der Chip könnte so die Verbindung zwischen Gedanken und körperlichen Reaktionen überwachen oder sogar beeinflussen. Gelingt das, könnten auf diese Weise zum Beispiel Gelähmte durch ihre Gedanken ein Exoskelett steuern oder Menschen mit Locked-in-Syndrom mit ihrer Außenwelt kommunizieren. Weiterhin könnte die Technik zukünftig etwa dazu eingesetzt werden, neuronale Verbindungen bei degenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer wiederherzustellen oder eine medikamentenresistente Epilepsie zu behandeln.

Außerhalb der Medizin strebt Neuralink danach, eine Leerstelle zu schließen: Wenn KI eines Tages alle Funktionen unseres Gehirns imitieren können sollte, möchte Neuralink das menschliche Gehirn dazu befähigen, mit KI zu konkurrieren.

Das Unternehmen Neuralink hatte der Tech-Milliardär Musk 2016 gegründet, um Möglichkeiten zur Vernetzung des menschlichen Gehirns mit Maschinen untersuchen zu lassen. Die Erlaubnis, das entwickelte Implantat zu Forschungszwecken in einer klinischen Studie Menschen einzusetzen, erhielt Neuralink im Mai 2023. Einen ersten Antrag für eine klinische Studie am Menschen hatte die FDA Anfang 2022 aufgrund von Sicherheitsbedenken noch abgelehnt. Davor war die Technik an Tieren getestet worden. Für die klinische Studie hatte Neuralink Patienten mit Tetraplegie gesucht – eine Querschnittlähmung, bei der Beine und Arme betroffen sind.

Mehr von Avoxa