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Zulassungsempfehlung
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Erste Gentherapie beim Wiskott-Aldrich-Syndrom in Sicht

Die Europäische Arzneimittelagentur hat das Gentherapeutikum Etuvetidigen Autotemcel (Waskyra™) zur Zulassung empfohlen. Es soll bei Patienten mit der seltenen Erbkrankheit des Wiskott-Aldrich-Syndroms, die keinen passenden Stammzellspender finden, zum Einsatz kommen. 
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 17.11.2025  09:00 Uhr
Erste Gentherapie beim Wiskott-Aldrich-Syndrom in Sicht

Das Wiskott-Aldrich-Syndrom (WAS) ist eine sehr seltene, X-chromosomal-rezessiv vererbte Erkrankung. Sie betrifft demnach fast ausschließlich Jungen – etwa einen von 250.000 Lebendgeborenen. Bei ihnen ist ein Gen mutiert, das für das nach der Erkrankung benannte WAS-Protein codiert. Dieses Protein ist für die Funktion des Zytoskeletts in hämatopoetischen Stammzellen essenziell. Der Defekt führt zu einer Thrombozytopenie und Immundefekten aufgrund einer gestörten Kommunikation zwischen Immunzellen.

Bereits kurz nach der Geburt treten punktförmige Haut- oder Schleimhautblutungen (Petechien) auf und häufig auch Hautekzeme. In späteren Jahren können Magen-Darm- und Hirnblutungen hinzukommen und die T-Zell-Immunität baut kontinuierlich ab, während das humorale Immunsystem von Beginn an deutlich geschwächt ist. Menschen mit diesem Gendefekt sind sehr anfällig für Infektionen und bestimmte Krebsarten wie Lymphome und werden ohne Stammzellspende selten älter als zehn Jahre. 

Einen passenden Spender zu finden, ist jedoch nicht einfach und nicht immer möglich. Für WAS-Patienten ab sechs Monaten, die für eine Transplantation von hämatopoetischen Stammzellen infrage kommen, die aber keinen Spender haben, steht nun mit hoher Wahrscheinlichkeit bald erstmals eine alternative Therapie zur Verfügung. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat das Gentherapeutikum Etuvetidigen Autotemcel (Waskyra™, Fondazione Telethon ETS) für diese Patienten zur Zulassung empfohlen.

Waskyra wird aus körpereigenen CD34+-Stammzellen des Patienten hergestellt, die im Labor genetisch verändert werden: Mithilfe eines lentiviralen Vektors wird das korrigierte WAS-Gen in das Erbgut der Zellen eingeschleust. Nach der Reinfusion in den Patienten siedeln sich die veränderten Zellen im Knochenmark an und bilden Vorläuferzellen für Lymphozyten und andere Blutzellen, deren Nachkommen das WAS-Protein korrekt produzieren. Das Produkt soll als Infusionslösung eine Konzentration von zwei bis zehn Millionen Zellen pro Milliliter enthalten. 

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