| Johanna Hauser |
| 25.09.2026 15:00 Uhr |
Die transdermale Hormonersatztherapie zeigte in einer aktuellen Studie kein generell erhöhtes Thromboserisiko, unabhängig von Therapieschema, Dosis oder Dauer. / © Getty Images/SVPhilon
Eine HRT lindert Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Nachtschweiß. Einige Studien brachten sie jedoch mit seltenen, aber schwerwiegenden Blutgerinnseln, venösen Thromboembolien und Schlaganfällen in Verbindung. Eine orale Anwendung scheint dabei weniger sicher zu sein als eine transdermale, womöglich auch, weil die Hormone bei oraler Anwendung höher dosiert werden müssen als bei transdermaler Applikation.
Um dies genauer zu untersuchen, wertete ein Team um Julie Berggreen vom Steno Diabetes Center Kopenhagen Daten von mehr als einer Million Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren aus. Analysiert wurden Fälle von venösen Thromboembolien, ischämischen Schlaganfällen und Herzinfarkten, die zwischen 2003 und 2021 in Dänemark auftraten. Als Vergleichsgruppe dienten Frauen ohne entsprechende Ereignisse. Die Ergebnisse der Registerstudie sind im Fachjournal »The BMJ« veröffentlicht.
Die Studie bestätigt den Verdacht, wonach die Applikationsform einer HRT das Risiko thrombotischer Ereignisse beeinflusst. Eine orale Estrogentherapie war im Vergleich zur Nichtanwendung mit einem erhöhten Risiko für venöse Thromboembolien (Hazard Ratio, HR 1,6) assoziiert. Absolut stieg das Risiko um neun zusätzliche Fälle pro 10.000 behandelten Frauen und Jahr. Das Risiko war unabhängig von der Dosierung des Estrogens und der Behandlungsdauer sowie auch bei Kombination mit einem Gestagen erhöht.
Auch für ischämische Schlaganfälle (HR 1,3) und Herzinfarkte (HR 1,2) fanden die Forschenden ein erhöhtes Risiko. Dieser Zusammenhang beschränkte sich jedoch weitgehend auf Frauen, die über mehr als ein Jahr täglich mehr als 1 mg orales Estradiol einnahmen. Mit zunehmender Anwendungsdauer stiegen die Risiken weiter an. Bei einer hochdosierten Anwendung über mehr als fünf Jahre errechneten die Autoren für Schlaganfälle und Herzinfarkte jeweils eine HR von 1,8.
Die absoluten Risiken blieben insgesamt gering. Rechnerisch kam es unter oraler Therapie pro Jahr zu einem zusätzlichen Fall einer venösen Thromboembolie je 1055 behandelte Frauen. Für Schlaganfälle trat ein zusätzlicher Fall pro 1642 Frauen und für Herzinfarkte ein zusätzlicher Fall pro 3846 Frauen auf.
Transdermale Anwendungen waren dagegen nicht mit einem erhöhten Risiko für venöse Thromboembolien, Schlaganfälle oder Herzinfarkte assoziiert.
Eine Ausnahme zeigte sich bei einer kombinierten zyklischen transdermalen Therapie mit zusätzlicher Gestagengabe während eines Teils des Zyklus. Hier wurde ebenfalls ein erhöhtes Herzinfarktrisiko beobachtet. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass dieser Befund auf vergleichsweise wenigen Fällen beruht.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung des Applikationswegs einer HRT. In einer begleitenden Pressemitteilung betonen die Autoren zugleich, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, aus der sich keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen ableiten lassen. Zudem fehlten Angaben zu Faktoren wie Raucherstatus, Body-Mass-Index oder Alter bei Eintritt der Menopause. Stärken seien dagegen die große Studienpopulation, die lange Nachbeobachtungszeit sowie die detaillierten Verordnungsdaten aus den dänischen Gesundheitsregistern.