| Johanna Hauser |
| 21.10.2026 16:20 Uhr |
Trotz abnehmender kognitiver Leistungsfähigkeit sind manche Menschen auch im Alter noch geistig fit. Dafür könnte neuen Daten zufolge ein Enzym verantwortlich sein. / © Getty Images/gpointstudio
Warum bleiben manche Menschen trotz altersbedingter Veränderungen des Gehirns geistig leistungsfähig, während andere deutliche kognitive Einbußen entwickeln? Eine kürzlich in »Nature Neuroscience« veröffentlichte Studie kommt der Lösung womöglich einen Schritt näher.
In seinen Versuchen identifizierte ein Forschungsteam um Cinzia Vicidomini vom Massachusetts General Hospital der Harvard Medical School in Boston, USA, ein Protein, das möglicherweise zu dieser Widerstandsfähigkeit beiträgt.
Zunächst nutzten die Forscher ein Mausmodell, bei dem sie gezielt einen Verlust von Synapsen im Hippocampus auslösten. Dabei fiel ihnen auf, dass als Reaktion auf den Synapsenverlust vermehrt das Enzym Phospholipase A2 Group IIF (PLA2G2F) gebildet wurde. Dies interpretierten die Forscher dahingehend, dass das Enzym eine schützende Funktion ausüben könnte.
Um diese Vermutung zu überprüfen, senkten sie bei alternden Mäusen die PLA2G2F-Spiegel. Dies führte zu einem verstärkten Synapsenverlust, mehr Neuroinflammation, schlechterer Gedächtnisleistung und der vermehrten Ansammlung von Lipidtröpfchen in Neuronen und Mikroglia. Insbesondere die Lipidtröpfchen gelten als Zeichen einer gestörten Zellfunktion und werden mit kognitivem Abbau in Verbindung gebracht.
Als Gegenprobe steigerten die Forscher die PLA2G2F-Expression. Daraufhin zeigten die Mäuse weniger altersbedingte Hirnveränderungen, eine geringere Entzündungsaktivität sowie bessere Gedächtnisleistungen. Auch die Ansammlung von Lipidtröpfchen war vermindert.
Im Anschluss prüfte das Team, ob die aus den Mausversuchen gewonnenen Erkenntnisse auch auf menschliches Gewebe übertragbar sind. Dazu nutzten sie Hirnorganoide aus pluripotenten Stammzellen als ergänzendes Modellsystem. In diesem zeigten sie, dass eine erhöhte PLA2G2F-Expression die Ansammlung von Lipidtröpfchen reduzieren konnte.
Die Analysen von Proben menschlichen Hirngewebes bestätigten die experimentellen Befunde. Die Forscher untersuchten dafür 13 Spendergehirne. Dabei fanden sie, dass die Spiegel von PLA2G2F im Alter zunehmen und bei Menschen besonders hoch waren, die trotz einer ausgeprägten Alzheimer-Pathologie geistig leistungsfähig geblieben waren. Die höchste Aktivität wurde bei Personen beobachtet, die zwar β-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn aufwiesen, zu Lebzeiten jedoch keine oder nur geringe kognitive Einschränkungen gezeigt hatten. Die Autoren werten dies als Hinweis darauf, dass PLA2G2F zu einer sogenannten kognitiven Resilienz beitragen könnte.