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Exit-Strategie nötig
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Engagierte Menschen erschöpfen schneller

Wer zuverlässig ist und ständig organisiert, plant und löst, zahlt dafür nicht selten einen Preis. Warum Menschen in eine Verantwortungsspirale geraten und wie sie aussteigen können, erläutert eine Ärztin.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 12.03.2026  08:00 Uhr
Engagierte Menschen erschöpfen schneller

Wer kann sich kümmern? Fällt im Job-Meeting, im Freundes-Chat oder auch in der Beziehung diese Frage, huscht nach einigen Sekunden der Stille der Satz »Ich mach's« über Ihre Lippen. Wie so oft. Wahrscheinlich hat Ihr Gegenüber darauf gepokert, dass Sie sich wieder einmal verantwortlich fühlen. Denn Sie sind stets engagiert. Sehen Aufgaben, bevor andere sie auf dem Schirm haben. Sind aufmerksam, immer für andere da.

So wohltuend die Dankbarkeit des Gegenübers auch ist: Mit so einem starken Verantwortungsgefühl durchs Leben zu gehen, kostet Kraft. Die Ärztin und Therapeutin Dr. Mirriam Prieß arbeitet immer wieder mit Menschen, die »sich erschöpfen, sich verbrennen, weil sie sich überhaupt nicht um sich kümmern, sondern immer nur um andere«. Betroffen sind vor allem Frauen.

Warum bin ich so?

Wenn man etwas an seinem Verhalten ändern möchte, lohnt ein Blick in die eigene Biografie – gut möglich, dass diese Verhaltensweise in der Kindheit wurzelt. Womöglich hat man sie von der eigenen Mutter abgeschaut, der es immer wichtig war, dass alle zufrieden waren. Womöglich hat in der Familie die bedingungslose Liebe gefehlt: Anerkennung gab es immer nur für gute Noten oder dafür, dass man für andere Verantwortung übernommen hat.

So lernt ein Kind: »Wenn ich für Harmonie sorge und wenn ich viel leiste, dann werde ich geliebt«, sagt Prieß. Tückisch: Wer mit dieser Überzeugung durchs Leben geht, verliert mit der Zeit das Gefühl für sich selbst und die eigenen Bedürfnisse.

Balance herstellen

Ob im Freundeskreis, im Job oder in der Beziehung: Es geht darum, Geben und Nehmen wieder mehr in Balance zu bringen. Orientierung kann die sogenannte »Drittel-Regel« geben. Eine gesunde Beziehung heißt: »Ein Drittel komme ich vor, ein Drittel kommst du vor, ein Drittel kommt unser Miteinander vor«, so Prieß.

Ein wichtiger Indikator, wie gut Geben und Nehmen ausbalanciert sind, ist das Bauchgefühl – also die Frage: »Fühle ich mich gut?« Menschen, die zu viel geben, haben häufig den Eindruck: »Ich funktioniere nur noch.«

Da grummelt es im Bauch, weil die eine Freundin nichts in die Freundschaft hineingibt? Oder weil sich der Partner darauf verlässt, dass Arzttermine und neue Gummistiefel fürs Kind schon von Zauberhand organisiert werden? Das ist ein Zeichen, dass die Verantwortung nicht gerecht aufgeteilt ist.

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