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Zweiter KRAS-Hemmer
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EMA für Zulassung von Adagrasib

Nachdem sich der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA im Juli noch dagegen ausgesprochen hatte, votierte er nun nach einer erneuten Überprüfung für die Zulassung des KRAS-Hemmers Adagrasib. Wie der First-in-Class-Wirkstoff Sotorasib soll er bei bestimmten Lungenkrebspatienten zum Einsatz kommen.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 14.11.2023  16:30 Uhr

Im Februar 2022 kam das Sotorasib-haltige Präparat Lumykras® auf den deutschen Markt. Der GTPase-Hemmer ist die erste in der EU zugelassene zielgerichtete Therapie für Lungenkrebspatienten mit KRAS-G12C-Mutation. Er bindet kovalent und irreversibel an das Cystein von KRAS G12C und blockiert es in seiner inaktiven, Guanosindiphosphat(GDP)-gebundenen Konformation. Dies verhindert die Transformation in die aktive, Guanosintriphosphat(GTP)-gebundene Form und somit die Signalübertragung beziehungsweise letztlich das Überleben der KRAS-G12C-mutierten Tumorzellen.

Sotorasib ist als Monotherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC, non-small cell lung cancer) mit KRAS-G12C-Mutation zugelassen, bei denen nach mindestens einer vorherigen systemischen Therapie eine Progression der Erkrankung festgestellt wurde.

Das Adagrasib-haltige Medikament Krazati® 200 mg Filmtabletten von Mirati Therapeutics wäre ein zweiter KRAS-Hemmer und käme exakt in derselben Indikation zum Einsatz. Die EU-Kommission muss die Zulassungsempfehlung des EMA-Gremiums aber noch bestätigen, was in der Regel eine reine Formsache ist.

Nachdem sich die EMA im Sommer noch gegen die EU-Zulassung ausgesprochen hatte, führte die Neubewertung des Wirkstoffs nun zu einem anderen Ergebnis. Die objektive Ansprechrate und die Dauer des Ansprechens bei Patienten mit KRAS G12C-mutiertem NSCLC, deren Krankheit nach einer früheren Therapie fortgeschritten war, führten demnach dazu, dass man sich bei Adagrasib für eine bedingte Zulassung aussprach. Die häufigsten Nebenwirkungen seien Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Hepatotoxizität und Anämie.

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