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Schaper & Brümmer
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Einstiges Start-up für Phytotherapie wird 100

Lange Zeit basierte der Einsatz von Wurzeln, Blüten und Blättern auf Erfahrungswissen – bis die modernen Naturwissenschaften eine empirische Basis schufen. Einer der Vorreiter dieser Entwicklung war das Phytopharmaka-Unternehmen Schaper & Brümmer. Heute kann es auf eine hundertjährige Firmengeschichte zurückblicken.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 14.08.2023  07:00 Uhr

Qualität durch Standardisierung

Im Jahr 1994 baute Arne Schaper als geschäftsführender Gesellschafter den Export und das OTC-Geschäft aus, das infolge massiver Umsatzeinbußen durch wegfallende ärztliche Verordnungen an Bedeutung gewonnen hatte. »Letztlich bedeutete diese Strategie auch eine gewisse Vorarbeit für die Zeit ab 2004. Ab diesem Zeitpunkt waren Phytopharmaka weitestgehend nicht mehr verschreibungsfähig«, betonte Wolcke.

Umso mehr setzte das Unternehmen darauf, die wissenschaftliche Rationale der Phytotherapie zu unterfüttern. Das beginnt mit der Qualität der Rohstoffe und der verwendeten Teile der Arzneipflanze. Durch kontrollierten eigenen Anbau wurde eine gleichbleibend hohe Qualität des Rohmaterials sichergestellt. »Kultivierte Pflanzen wurden anstelle von Wildsammlungen verwendet, wo immer dies möglich war. Arzneipflanzen wie die Traubensilberkerze werden bis heute von Hand oder mithilfe von Pferden gepflegt, da ein maschineller Einsatz die empfindlichen Pflanzen beschädigen würde. Bei einigen Arzneipflanzen verfügt Schaper & Brümmer über einen exklusiven Sortenschutz, so bei der Färberhülse sowie bei zwei Cimicifuga-racemosa-Sorten.«

Technische Weiterentwicklung

Parallel zur Qualitätssicherung beim Anbau, den Untersuchungen und Tests in den Laboren sowie technischen Weiterentwicklungen bei den selbst entwickelten Extrakten war laut Wolcke schon lange die Notwendigkeit bewusst, klinische Studien durchzuführen, um die Wirksamkeit und Verträglichkeit der zugelassenen Phytopharmaka in Klinik und Praxis zu verifizieren. Die beste Datenlage weist dabei der isopropanolische Cimicifuga-racemosa-Spezialextrakt in Remifemin auf. In der Tat: Aufgrund umfangreicher randomisierter kontrollierter Studien eignet er sich zur leitliniengerechten Behandlung von menopausalen Beschwerden.

Im Jahr 2021 erwarb die Medice Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG 60 Prozent der Gesellschafteranteile von Schaper & Brümmer. Geschäftsführer ist seither neben Nils Wolcke auch Dr. Uwe Baumann, der auch Geschäftsführer bei Medice ist. Fortan etabliert sich Schaper & Brümmer als Phytokompetenz-Einheit innerhalb des Gesamtunternehmens – mit neuem Schwerpunkt: die Mikrobiomforschung. »Wir entwickeln evidenzbasierte, therapeutische Ansätze, zum Beispiel mit Fermentaten, die die Verdaulichkeit und die nutritiven Eigenschaften verbessern. Ob die Reise Richtung Functional Food oder Arzneimittel geht, ist noch offen«, stellte Baumann in Aussicht. Die Produktionsanlagen in Salzgitter haben jedenfalls Zuwachs in Form vieler Fermenter gewonnen.

1945 standen vier Fahrzeuge zur Verfügung aufgrund von Dringlichkeitsbescheinigungen. / Foto: Schaper&Brümmer
Was Erich Schaper (rechts) und Albert Brümmer 1923 in einer Waschküche begannen, würde man heute als Start-up bezeichnen. / Foto: Schaper&Brümmer
Ein Blick auf die historischen Abfüllanlagen der biologischen Mischungen von Schaper & Brümmer. / Foto: Schaper&Brümmer
Qualitätssicherung und weitgehende Standardisierung gelten auch für den Anbau der Pflanzen, um möglichst gleichbleibendes Rohmaterial zu haben. / Foto: Schaper & Brümmer
Die Standardisierung eigens entwickelter und patentierter Spezialverfahren wie bei der Extraktion von Cimicifuga racemosa machen die gleichbleibende Qualität der Phytopharmaka aus. / Foto: Schaper & Brümmer
Gewinnung des Mischextraktes für Esberitox. / Foto: Schaper & Brümmer
Die Pflege der Arzneipflanzen wie die Traubensilberkerze geschieht bis heute von Hand und mithilfe von Pferden. Ein maschineller Einsatz würde die empfindlichen Pflanzen beschädigen. / Foto: Schaper & Brümmer

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