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Nicht übertragbare Erkrankungen
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Eine Pandemie ohne Virus

Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie Krebs fordern in großen Teilen der Welt die meisten Todesopfer. Die »Erreger« dieser Krankheiten? Es sind keine Viren, sondern Bewegungsmangel, ungesunde Gewohnheiten und vor allem falsche Ernährung.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 19.01.2026  18:00 Uhr

»Modifizierbare Risikofaktoren sind heute in Deutschland für 40 Prozent aller Todesfälle verantwortlich«, sagte Professor Dr. Martin Smollich vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming. Diese Risikofaktoren sind: ungünstige Ernährung, Bewegungsmangel und insgesamt eine gesundheitsschädliche Lebensweise. Sie würden zu Unrecht teilweise noch immer als »nice to have« angesehen und nicht als das, was sie sind: zentraler Bestandteil einer präventiv ausgerichteten Medizin und Pharmazie.

Der Lebensstil trage entscheidend zu den Volkskrankheiten unserer Zeit bei. So seien etwa Adipositas und Typ-2-Diabetes zu 90 Prozent lebensstilbedingt, chronische Atemwegserkrankungen zu 80 Prozent, kardiovaskuläre Erkrankungen zu 50 Prozent und Krebs zu 40 Prozent. Abgesehen von der erhöhten Sterblichkeit seien diese Erkrankungen auch mit erheblichen Einbußen bei der Lebensqualität verbunden. »Es geht nicht darum, irgendwie alt zu werden, sondern darum, gesund alt zu werden«, verdeutlichte Smollich.

Nahrung ist zu energiedicht

Als Apotheker, der nach eigener Aussage »vor einigen Jahren in die Ernährungswissenschaft abgebogen ist« und nun die Arbeitsgruppe Pharmakonutrition am Institut für Ernährungsmedizin leitet, legte der Referent den größten Schwerpunkt auf die Ernährung. Deren Bedeutung sei etwa bei Adipositas viel größer als die der Bewegung: An der Entstehung von Adipositas habe die Ernährung einen Anteil von 90 Prozent und die Bewegung von 10 Prozent. Der Grund sei die hohe Energiedichte vieler Nahrungsmittel: »Die Nahrung ist so energiedicht, da kommt die Bewegung nicht hinterher.« Eine schlechte Ernährung durch Training zu kompensieren, sei daher schlicht unmöglich.

Smollich ging in seinem Vortrag die aktuellen Empfehlungen zur Prävention der einzelnen Volkskrankheiten durch – und es war auffällig, dass eigentlich immer wieder dieselben Dinge auf den Folien standen. Die Basis bildet stets eine pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen. Zu begrenzen sind Fleisch, gesättigte Fettsäuren und Kochsalz, möglichst ganz zu meiden Transfette, zugesetzter Zucker und verarbeitetes Fleisch. Beim Alkohol habe sich die Empfehlung geändert von »wenig« zu »gar nicht« – nicht weil bereits geringste Mengen schadeten, sondern weil es mit wissenschaftlichen Methoden nicht möglich sei, eine Grenze für den sicheren Konsum festzulegen, so Smollich.

Neben einer gesunden Ernährung ist Bewegung essenziell. Hierbei gehe es nicht primär darum, »Kalorien zu verbrennen«. Bewegung sei auch dann gesund, »wenn man nichts sieht«, wenn sie also nicht zu einem Gewichtsverlust führt. Die Präventivwirkung ergibt sich aus der Veränderung der Körperzusammensetzung. Krafttraining sei daher mit Blick auf die kardiovaskuläre Gesundheit mindestens ebenso wichtig wie Ausdauertraining.

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