| Sven Siebenand |
| 02.01.2026 18:00 Uhr |
Remimazolam ist ein neuer Vertreter aus der Klasse der Benzodiazepine, kurz Benzos. / © Adobe Stock/ SergioVas
Bereits im Jahr 2021 hatte die EU-Kommission das neue Benzodiazepin zugelassen. Nun erfolgte endlich auch die Markteinführung des innovativen Arzneistoffs. Das Besondere an Remimazolam: Es ist ein ultra-kurzwirksames Benzodiazepin-Sedativum. Der Wirkstoff bindet mit hoher Affinität an die Benzodiazepin-Bindungsstellen von Gamma-Aminobuttersäure Typ A[GABAA]-Rezeptoren. Im Körper wird Remimazolam von Gewebe-Esterasen schnell zu einem inaktiven Metaboliten abgebaut, der eine etwa 300-mal geringere Affinität für diese Rezeptoren hat.
Remimazolam (Byfavo® 20 mg Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung von Paion) wird bei Erwachsenen zur prozeduralen Sedierung angewendet. Die Dosis muss patientenindividuell titriert werden, um eine wirksame Dosis zu erhalten, mit der die gewünschte Sedierungstiefe erreicht wird und Nebenwirkungen minimiert werden. Ein Arzneimittel zur Aufhebung der Benzodiazepin-Wirkung (Flumazenil) muss sofort zur Anwendung verfügbar sein. Kontraindiziert ist das Präparat bei Patienten mit instabiler Myasthenia gravis.
Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen sind Hypotonie, Atemdepression und Bradykardie. Ein spezieller Warnhinweis in der Fachinformation widmet sich diesen kardiorespiratorischen Nebenwirkungen. Ein anderer Warnhinweis klärt darüber auf, dass die gleichzeitige Anwendung von Remimazolam und Opioiden zu starker Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod führen kann. Zudem ist der Konsum von Alkohol vor der Gabe von Remimazolam für 24 Stunden zu vermeiden. Die gleichzeitige Anwendung kann die klinischen Wirkungen von Remimazolam potenziell verstärken.
Patienten, die eine Dauertherapie mit Benzodiazepinen erhalten, können eine Toleranz gegenüber den sedierenden Wirkungen von Remimazolam entwickeln. Daher ist unter Umständen eine höhere kumulative Dosis Remimazolam erforderlich, um die gewünschte Sedierung zu erreichen.
Es kommt noch eine weitere Darreichungsform auf den Markt: 50 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. Letzteres gehört aufgrund der höheren Wirkstärke zu den Betäubungsmitteln. Es wird angewendet bei Erwachsenen zur intravenösen Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie.