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Gesundheitshack
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Duschen im Dunkeln – besser schlafen

Der Trend »Dark Showering« verspricht besseren Schlaf durch abendliches Duschen im Dunkeln. Ein Wissenschaftler hat den Schlaf-Hack aus dem Netz analysiert und berichtet, ob dieser tatsächlich einen Effekt auf den Körper hat.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 10.04.2026  09:00 Uhr

In sozialen Medien kursiert seit einiger Zeit ein Trend: Duschen im Dunkeln. Anhänger des »Dark Showering« schalten das Licht im Bad aus, bevor sie unters Wasser treten. Das beruhigende Rauschen wirkt im Halbdunkel stärker, visuelle Reize treten in den Hintergrund. Viele berichten, dass sie danach schneller einschlafen.

Wissenschaftlich untersucht ist die Methode kaum, wie Dr. Timothy Hearn auf der Wissenschaftsplattform »The Conversation« hervorhebt. Er ist Assistenzprofessor am Institut für Medizinische Genetik an der britischen Anglia Ruskin University. Der Hack greife jedoch zwei bekannte Faktoren aus der Schlafforschung auf – Licht und Wärme. Beide beeinflussten, wie leicht der Körper in den Schlaf übergehe.

Hearn verweist auf einen Laborversuch, in dem normale Raumbeleuchtung am Abend im Vergleich zu schwachem Licht den Spiegel des Schlafhormons Melatonin bei den Probantinnen und Probanten um etwa 70 Prozent reduziert. Und die Ausschüttungsdauer um etwa 90 Minuten verkürzt. Selbst kurze Lichtphasen im Badezimmer von etwa 30 Minuten führen demnach dazu, dass sich die Studienteilnehmenden wacher fühlten.

Auch LED-Licht verzögert im Gegensatz zu sanfterer Leuchtstoffbeleuchtung das Einschlafen um etwa zehn Minuten, wie laut Hearn eine Crossover-Studie zeigte. Ebenfalls fühlten sich die Teilnehmenden unter dem Lichteinfluss weniger schläfrig. Ähnliche Effekte finden sich bei Bildschirmen, insbesondere mit hohem blauem Lichtanteil.

Wärme reduziert Einschlafzeit

Der zweite Faktor ist Wärme. Forschungen zur passiven Körpererwärmung haben dem Wissenschaftler zufolge ergeben, dass warmes Wasser den Übergang in den Schlaf erleichtert. Wer sich ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen etwa zehn Minuten lang darin aufhält, verkürzt die Einschlafzeit um rund neun Minuten und verbessert die Schlafqualität – den Anteil der Zeit im Bett, in der man tatsächlich schläft.

Denn warmes Wasser erweitert die Blutgefäße und die Körperkerntemperatur sinkt anschließend ab – ein wichtiges Einschlafsignal. Außerdem aktiviert das Baden oder Duschen in Wasser, das der Körpertemperatur entspricht, das parasympathische Nervensystem. Die Herzfrequenz sinkt, die Herzfrequenzvariabilität steigt – Entspannung macht sich breit.

»Dark Showering« kann dem Körper also helfen, von Aktivität in Ruhe umzuschalten. Allerdings nur, wenn nach der Dusche kein helles Licht mehr folgt. Auch Föhnen, Anziehen und Aufräumen müssen dann im Halbdunkeln stattfinden. Zudem wirkt Dunkelheit nicht sofort, da der Melatoninspiegel nur langsam steigt. Eine kurze Dusche könne daher eine langfristig verschobene innere Uhr nicht sofort korrigieren, so Hearn.

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