| Kerstin A. Gräfe |
| 01.04.2026 07:00 Uhr |
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Donidalorsen wurden in der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie OASIS-HAE mit 90 Patienten ab zwölf Jahren untersucht. Die Teilnehmenden erhielten 80 mg Donidalorsen oder Placebo, entweder alle vier Wochen (n = 45) oder alle acht Wochen (n = 23). Die beiden mit Placebo behandelten Gruppen wurden für die Analyse zusammengefasst (n = 22). Als primärer Endpunkt war die Attackenhäufigkeit pro vier Wochen über einen Zeitraum von 24 Wochen definiert.
Die Attackenhäufigkeit betrug unter Donidalorsen alle vier Wochen durchschnittlich 0,44, unter Verum alle acht Wochen durchschnittlich 1,02 und unter Placebo durchschnittlich 2,26. Das entspricht einer Reduktion der monatlichen Attackenrate um 81 Prozent in der vierwöchentlichen Dosierung und um 55 Prozent in der achtwöchentlichen Dosierung im Vergleich zu Placebo.
Als häufige Nebenwirkungen wurden Reaktionen an der Injektionsstelle sowie erhöhte Leberenzymwerte beobachtet.
Donidalorsen ist ein weiterer Wirkstoff zur Behandlung und Prophylaxe von Attacken des hereditären Angioödems (HAE). Ähnlich wie Lanadelumab und Berotralstat sorgt auch Donidalorsen dafür, dass letztlich weniger Plasmakallikrein produziert wird, was zu weniger Bradykinin und zur Verhinderung von Ödemattacken führt. Donidalorsen verfolgt aber einen neuen Ansatz und kann somit vorläufig als Schrittinnovation eingestuft werden: Das Antisense-Oligonukleotid zielt auf die mRNA von Präkallikrein ab. Wird weniger Präkallikrein produziert, entsteht im Folgenden auch weniger Plasmakallikrein.
Ein Vorteil ergibt sich aus dem Applikationsschema. Während Lanadelumab alle zwei Wochen, gegebenenfalls alle vier Wochen, subkutan zu spritzen ist, muss Donidalorsen nur alle vier Wochen, später gegebenenfalls nur alle acht Wochen, appliziert werden. Dafür punktet Lanadelumab aber im Einsatzgebiet: Es darf schon bei Patienten ab zwei Jahren zum Einsatz kommen, Donidalorsen und Berotralstat erst ab zwölf Jahren.
Ein direkter Vergleich von Donidalorsen mit Lanadelumab wäre wünschenswert. Die Zulassungsstudie mit Donidalorsen zeigt, dass das Antisense-Oligonukleotid die Häufigkeit von HAE-Attacken signifikant reduzieren kann. Das ist für Lanadelumab aber auch belegt. Bislang ist kein großer Unterschied zwischen den beiden Pharmaka erkennbar, was am Ende auch an dem ähnlichen Wirkprinzip liegen dürfte.
Sven Siebenand, Chefredakteur