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Diagnose und Prävention
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Dm-Vorstoß besorgt auch die Politik

Der Drogist dm drängt in den Gesundheitsmarkt und bietet seit Kurzem Diagnose- und Präventionsleistungen an. Das sehen nicht nur die Fachverbände kritisch – auch die Politik sorgt sich um die Patientensicherheit.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 27.08.2025  16:02 Uhr

Die Absicht des Drogerieriesen, neben Hygiene- und Kosmetikartikeln, Putz- und Waschmitteln, Windeln, Babynahrung, Geschenkpapier, Lebensmitteln, Bürobedarf, Fotoservice, Nahrungsergänzungsmitteln oder Tierfutter auch noch Gesundheitsdienstleistungen quasi zum Selbermachen anzubieten, mag folgerichtig sein; dass die Menschen ihre Gesundheitsvorsorge mehr und mehr privat managen wollen, liegt wohl im Trend.

Auf jähen Widerstand in der Gesundheitsbranche treffen die Pläne gleichwohl. So reagierten Fachärzte skeptisch bis entsetzt auf die telemedizinischen Angebote, die der Konzern seit August pilotiert. Die Palette reicht von Augenscreenings, Vitamin- und Eisen-Selbsttests der dm-Eigenmarke bis hin zu Hautanalysen mit KI-Auswertung.

»Unverantwortlich« seien die Angebote teilweise und eine »Werbe-Verkaufsmasche«, heißt es von den Fachverbänden. Obendrein entlasteten sie das Gesundheitssystem nicht. Im Gegenteil könnten etwaige fehlerhafte Testergebnisse am Ende mehr Arztbesuche auslösen. Dass Sebastian Bayer, dm-Geschäftsführer Marketing und Beschaffung, auf die Expertise der dm-Partner bei den Angeboten verweist, lässt die Kritiker nicht verstummen.

Angebote dürfen »kein Selbstzweck« sein

Auch in der Politik gibt es Zweifel, ob diese Angebote unbedenklich sind. »Ein Bluttest oder ein Augenscreening darf kein Selbstzweck sein, sondern muss in eine qualifizierte medizinische Beratung und Behandlung eingebettet sein«, sagt Christos Pantazis, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und selbst Mediziner. »Hier braucht es klare Standards und Regeln, damit die Patientensicherheit jederzeit im Mittelpunkt steht«, sagte Pantazis dem »Tagesspiegel«. 

Unter Umständen könnten solche Angebote einen unkomplizierten Zugang zur Versorgung darstellen, so Pantazis. Allerdings nicht isoliert. Die Qualität der Leistungen sei entscheidend, ebenso eine sichere Anbindung an die ärztliche Versorgung.

Qualität und Patientensicherheit rückt auch die Union in den Vordergrund. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unions-Bundestagsfraktion, Simone Borchardt, sagte dem Blatt, dass zwar jede und jeder selbst entscheiden könne, wie er mit solchen Privatleistungen umgehe. Ärztliche und pharmazeutische Dienstleistungen müssten aber grundsätzlich von Gesundheitsberufen durchgeführt werden.

Die Opposition sieht in den Drogerie-Angeboten ein Warnzeichen. »Wenn Drogeriemärkte anfangen, Blutuntersuchungen oder Augenscreenings anzubieten, ist das vor allem ein Symptom für die Dysfunktionalität unseres Gesundheitssystems«, zitiert der »Tagesspiegel« den grünen Gesundheitssprecher Janosch Dahmen. Weil sich die Menschen nicht mehr auf das Gesundheitssystem verlassen könnten, bekämen Konzerne die Chance, das Vakuum auszufüllen. Grundlegende Strukturreformen seien unabdingbar.

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