| Lukas Brockfeld |
| 27.01.2026 18:00 Uhr |
Auch Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), hält eine bessere Patientensteuerung durch ein Primärversorgungssystem für notwendig. Dem KBV-Chef war dabei die zentrale Rolle der Ärzteschaft wichtig. »Sie brauchen eine ärztliche Kompetenz, um eine Diagnose zu stellen, das kann sonst niemand. Deswegen kann das System nicht an den Ärzten vorbei gehen, und ich habe auch nicht den Eindruck, dass das geplant ist.«
Viele Praxen und Notaufnahmen seien laut Gassen regelmäßig mit kleinen medizinischen Problemen konfrontiert, die sich mit gesundem Menschenverstand selbst lösen ließen. Daher sei nicht in jedem Fall ein Arztbesuch notwendig. »Ich verstehe das Primärversorgungsystem als primär ärztliches System. Doch dass man mit zusätzlichen Komponenten wie die digitale Ersteinschätzung eine niedrigere Einstiegsschwelle generiert, halte ich nicht für einen Widerspruch«, so der KBV-Chef.
Warken erklärte, dass ihr Ministerium den Fachdialog fortführen und bis zum Sommer einen Referentenentwurf erarbeiten wolle. Die Ministerin hofft, dass es noch in diesem Jahr einen Kabinettsbeschluss geben wird. »Wenn das Gesetz verabschiedet ist, braucht es sicherlich einige Zeit, bis es implementiert ist. Das geht nicht von heute auf morgen. Aber wir gehen davon aus, dass wir 2028 die ersten Wirkungen haben werden«, so Warken.
Die genauen Kosten des Vorhabens und die möglichen Auswirkungen auf die prekären GKV-Finanzen lassen sich laut der Ministerin noch nicht genau einschätzen. »Es wird kein Spargesetz, und es wäre schwierig, genau zusagen, was an Sparpotenzial zu heben ist. Wir haben aktuell oft Doppelbehandlungen und ungesteuerte Arztbesuche. Da ist viel Potenzial vorhanden, wenn wir die Menschen gezielter durch das System lotsen«, sagte Nina Warken.