| Theo Dingermann |
| 07.04.2026 15:00 Uhr |
Die FDA hatte 2023 eine Reihe injizierbarer Peptide verboten. Dabei handelt es sich um 14 Peptide aus dem Bereich Leistungssteigerung und Longevity, für die eine belastbare Evidenz hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit bisher fehlt. ´ / © Imago Images/NurPhoto
In der »New York Times« (NYT) erschien kürzlich ein Artikel, in dem die beiden Autorinnen Christina Jewett und Dani Blum über eine kontroverse arzneimittelregulatorische Entwicklung in den USA berichten. Danach verdichten sich die Anzeichen, dass die US-Zulassungsbehörde FDA ein von ihr 2023 verhängtes Verbot für eine Reihe injizierbarer Peptide teilweise zurückzunehmen könnte. Diese Entscheidung steht im Spannungsfeld zwischen politischem Einfluss, wachsender Nachfrage nach vermeintlich gesundheitsfördernden Substanzen und erheblichen wissenschaftlichen Unsicherheiten.
Bei den Peptiden handelt es sich um parenteral zu applizierende Zubereitungen mit vielfältigen biologischen Funktionen, die zunehmend im Kontext von Anti-Aging, Leistungssteigerung und Prävention vermarktet werden. Brisant an dieser Diskussion sind nicht nur die potenziell gesundheitsgefährdenden Aspekte, die mit den ungetesteten Wirkstoffen assoziiert sind. Das Thema hat auch eine politische Dimension. Denn offensichtlich werden hier Grenzen zwischen Biomedizin, Marktlogik und politischer Ideologie verschoben.
Dies ist unter anderem daran erkennbar, dass ein Start-up des Milliardärs und Vordenkers der MAGA-Bewegung, Peter Thiel, im Fokus steht. Dieses Unternehmen ist im Umfeld der »Enhanced Games«-Propagandisten angesiedelt. In dieser Szene werden nicht nur Wettkämpfe propagiert, bei denen leistungssteigernde Mittel zugelassen sind, sondern es werden auch experimentelle, bislang von der FDA verbotene Peptide verbereitet.
Dabei handelt es sich um 14 Peptide, für die eine belastbare Evidenz hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit bisher fehlt. Randomisierte kontrollierte Studien existieren kaum; viele Daten stammen aus Tierexperimenten oder anekdotischen Berichten. Genau diese Unsicherheit hatte die FDA 2023 dazu veranlasst, diese Wirkstoffe aus der Liste der von Compounding-Apotheken herstellbaren Substanzen zu streichen.
Compounding-Apotheken in den USA sind Apotheken, die individuelle Medikamente für Patienten herstellen, wobei Wirkstoffe nicht nur patientenindividuell kombiniert und hinsichtlich der Dosis angepasst werden, sondern teilweise auch synthetisiert und vermarktet werden. Gerade die aggressive Vermarktung über Telemedizin-Plattformen mit wissenschaftlich nicht belegten Heilsversprechen veranlasste die FDA im Jahr 2023, die Peptide zu verbieten.