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ZI Versorgungsforschung
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Die Schwächen des deutschen Gesundheitssystems

Die Deutschen geben etwa 500 Milliarden Euro pro Jahr für ihr Gesundheitswesen aus und haben trotzdem eine auffallend niedrige Lebenserwartung. Auf dem ZI-Congress Versorgungsforschung wurde daher am Donnerstag ein kritischer Blick auf die Defizite des deutschen Systems im internationalen Vergleich geworfen. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 19.09.2024  17:32 Uhr

Mehr ist nicht immer besser

Reinhard Busse, Professor für Management im Gesundheitswesen, erklärte, warum sich Deutschlands Probleme nicht allein durch mehr Geld lösen lassen. Gemessen an der Zahl vermeidbarer Todesfälle hat Deutschland demnach ein teures, aber nicht besonders gutes Gesundheitssystem. 

Ein Vergleich verschiedener Länder zeige, dass hohe Investitionen nicht automatisch zu einer besseren Versorgung führen. »Die USA geben seit Jahren immer mehr Geld für ihr Gesundheitssystem aus, aber an den Ergebnissen ändert sich nichts. Für mich ist das ein guter Beleg dafür, dass mehr Geld alleine gar nichts bringt. Sie könnten in das amerikanische System unendlich viel Geld reinstecken«, erklärte der Wissenschaftler. 

Ein anderes Beispiel sei Dänemark. Das skandinavische Land habe in den vergangenen Jahren weniger in das Gesundheitswesen investiert als Deutschland und trotzdem die Zahl der vermeidbaren Todesfälle stärker reduziert. »Die Dänen haben pro investiertem Euro dreieinhalb mal so viel Gesundheit bekommen wie wir. Was machen die also anders?«, fragte Busse. 

Ein entscheidender Unterschied ist laut Busse die hohe Zahl an unnötigen Krankenhausaufenthalten in Deutschland, die ein wesentlicher Kostentreiber sind. »Ich kann meinen ausländischen Kollegen gar nicht erklären, wieso Patienten mit der Hauptdiagnose Bluthochdruck bei uns stationär behandelt werden«, sagte der Professor. Deutschland habe in diesem Bereich eine Überversorgung, gleichzeitig gäbe es in anderen wichtigen Bereichen, vor allem bei der Prävention, eine Unterversorgung. 

Busse betonte, dass sich Deutschland dringend mit dem Verhältnis von Ausgaben und Effizienz im Gesundheitswesen auseinandersetzen müsse. Es sei zwar schwierig, aber möglich hier konkrete Gründe auszumachen. »Mehr ist längst nicht immer besser. Im Gegenteil, low value care in seinen verschiedenen Facetten ist ein Problem, das angegangen werden muss, bevor noch mehr Geld verschwendet wird«, erklärte der Professor in seinem Fazit.

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