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Pharma Lunch Talk
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Die Reform wird die Apotheken »Jahrzehnte prägen«

Künftig werden Apotheken neue Aufgaben übernehmen – auch in der Prävention. Das war unter anderem das Fazit der heutigen Online-Diskussion »Pharma Lunch Talk« zur beschlossenen Apothekenreform, die von der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) organisiert wurde.
AutorKontaktPaulina Kamm
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 09.10.2026  17:00 Uhr

Die Reform ist vollbracht. »Ich glaube, wir erleben gerade einen grundsätzlichen Rollenwechsel«, sagte Franziska Scharpf, Präsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer, gleich zu Beginn des »Pharma Lunch Talks«. Die Reform werde die Apotheken und ihr Berufsbild über Jahrzehnte hinweg prägen. »Die Apotheke entwickelt sich immer stärker vom Ort der Arzneimittelabgabe hin zu einem Ort der Versorgung.« Sie müssten weg von der reinen Produktperspektive und stärker hin zu einer Versorgungsperspektive.

Auch Nadine Metzger, Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie und Vizepräsidentin der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG), betonte, dass verschiedene Faktoren wie steigende Betriebskosten, knappe Personalressourcen, geringere Gewinne und der Versandhandel diesen Wandel erforderlich machen werden.

Der Nachwuchs wird es nicht anders kennen

Metzger bekräftigte, dass Apotheken nicht mehr nur Medikamente abgeben und beraten sollen, sondern auch Prävention betreiben und eine Art Gesundheitszentrum sein sollen. »Aber es ist auch eine tolle Entwicklung für den Beruf. Und es ist auch etwas, das den Beruf am Schluss aus meiner Sicht nachhaltig stärken wird.«

Mit Blick auf die anstehenden Veränderungen sagte Metzger: »Der Nachwuchs wird es mit der Muttermilch aufsaugen. Der wird es gar nicht mehr anders kennen.« Für ältere Apothekerinnen und Apotheker sei das jedoch eine große Veränderung. »Gerade auch für die Inhaber, die die Strukturen neu aufbauen müssen.«

Ulrich Jaehde, der Präsident der DPhG, betonte, dass es zunehmend schwieriger werde, einen Arzttermin zu bekommen. Auch Apotheken könnten bei kleineren Problemen helfen. Mit der Reform seien mehrere Schritte in Richtung Gesundheitszentren gemacht worden. »Und deswegen ist es so wichtig, dass diese Schritte auch von möglichst vielen Apotheken – ich will nicht sagen allen, weil ich bin auch Realist – aber von möglichst vielen Apotheken mitgegangen werden«, so der Präsident.

An neuen Aufgaben wachsen

Metzger teilte mit, dass sie Impfungen in ihrer Apotheke anbiete, da dies von den Patientinnen und Patienten eingefordert worden sei. Patientinnen und Patienten würden die Umsetzung der Reform dadurch vorantreiben, sie verstehe aber auch die Hemmschwellen von Kolleginnen und Kollegen, neue Angebote zu etablieren. »Ich glaube, das ist wie alles im Leben. Man muss reinwachsen. Es ist ein Prozess.«

Laut Scharpf können sich Apothekerinnen und Apotheker in jede Situation einlesen und reinfuchsen. Als Beispiel nannte sie die Corona-Pandemie, in der sie viele neue Aufgaben übernommen haben. »Ich lasse mich da nicht mehr kleinreden.« Sie wünscht sich, dass auch andere Apothekerinnen und Apotheker dasselbe Selbstvertrauen tragen.

»Die eigenen Grenzen zu kennen«

Wichtig sei aber auch, die eigenen Grenzen zu kennen. Denn zu mehr Freiraum gehöre auch mehr Verantwortung. »Wir brauchen nicht mehr Freiraum, nur damit wir mehr dürfen.« Entscheidend sei die Frage, welches Versorgungsproblem dadurch gelöst werde. »Wenn pharmazeutische Kompetenz dazu beitragen kann, die Versorgung besser, sicherer oder niederschwelliger zu machen, dann sollten wir diese Kompetenz auch einsetzen dürfen«, sagte Scharpf.

In der Diskussion ging es auch um das Modell der »Prescribing Pharmacists«, das bereits in anderen Ländern etabliert ist. Laut Scharpf könnte dieses Modell aber erst in mehreren Jahren in Deutschland eingeführt werden. »Daher muss man halt jetzt schon anfangen, die Diskussion zu führen, um zu sehen, wie können sich Apothekerinnen und Apotheker in Zukunft in diese Richtung weiterentwickeln, nicht mit dem Ziel, ärztliche Tätigkeiten zu ersetzen, sondern mit dem ganz klaren Ziel, Versorgung besser zu organisieren.«

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