| Melanie Höhn |
| 18.03.2026 15:45 Uhr |
Diskutierten über Arzneimittelversorgung in Zeiten einer unsicheren Weltlage (v.l.): Claus Michelsen, Geschäftsführer Wirtschaftspolitik des vfa, der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Mieves, Moderator Hans-Holger Bleß und Oberstapotheker Bernd Klaubert, Leitender Apotheker und Inspizient Wehrpharmazie der Bundeswehr in Bonn. / © PZ/Höhn
»Arzneimittelpolitik ist längst keine reine Gesundheitspolitik mehr. Wir reden über Zugang, Grundversorgung und in diesem Fall auch über Sicherheit«, führte Moderator Hans-Holger Bleß, Partner der Unternehmensberatung fbeta für die Transformation im Gesundheitswesen, in die Thematik ein.
»Wir sind in einer neuen Lage. Multiple Krisen, Einflusspunkte von verschiedenen Seiten. Marktlogik trifft Sicherheitslogik«, so Bleß. Derzeit gebe es hierzulande drei Zielkonflikte: der Zugang zu Innovationen, die Bezahlbarkeit im System sowie die Resilienz in der Grundversorgung. Es müsse daran gearbeitet werden, diese drei Ziele zu einem vereinten Ziel zu machen und eine gemeinsame Lösung zu finden. Bleß schlussfolgerte: »Standortpolitik bedeutet Versorgungspolitik. Versorgungspolitik bedeutet Sicherheitspolitik.«
Matthias Mieves, stellvertretender Gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, betonte, dass die Arzneimittelversorgung an eine unsicherere Welt angepasst werden müsse. Wie Michelsen verdeutlichte er, dass Innovation, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit gemeinsam gewährleistet werden müsse. »Die Welt sieht sich einer Unsicherheit gegenübergestellt, die wir so seit Jahren, seit fast Jahrzehnten in Deutschland nicht kennen. Und wir sind aus verschiedenen Richtungen unter Druck.« Mieves weiter: »Die neue Lage erfordert neue Antworten«.
Deutschland verfüge über ein weltweit führendes System der Arzneimittelversorgung. Innovative Arzneimittel seien im Vergleich zu anderen Ländern sehr schnell verfügbar. Generika würden zu sehr niedrigen Preisen bereitgestellt. Diese niedrige Preise würden die Produktion von Basismedikamenten in Europa aber unrentabel machen, sodass viele Wirkstoffe nur noch von wenigen Herstellern in China und Indien stammten. Diese Abhängigkeit berge große Risiken: Produktionsausfälle oder politische Konflikte könnten schnell zu erheblichen Versorgungsengpässen führen.
Zum anderen würden geopolitische Unsicherheiten, etwa durch die USA, für zusätzliche Risiken sorgen. »Das Einzige, was wir tun können, ist, unsere eigenen Hausaufgaben machen.« Das bedeute: Deutschland müsse sein bisher erfolgreiches Versorgungssystem an die neue, unsichere globale Lage anpassen und die bislang vernachlässigte Dimension der Versorgungssicherheit stärker in den Fokus rücken. Dazu gehöre insbesondere, die Produktion in Europa wirtschaftlich tragfähig zu machen sowie Notfall- und Ausfallmechanismen für gestörte Lieferketten aufzubauen. Politisch werde daran bereits gearbeitet, etwa durch den Pharma-Dialog und die Weiterentwicklung des AMNOG. »Wir werden uns auch im Rahmen der Neuaufstellung der Bundeswehr verstärkt mit dem Thema beschäftigen«, sagte er.