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Adjuvanzien
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Die Immunantwort gezielt verstärken

Adjuvanzien werden seit mehr als 100 Jahren eingesetzt, um die Effizienz von Impfungen zu steigern. Mit neueren Vertretern lässt sich inzwischen die Richtung der Immunantwort – B-Zell-/Antikörper-vermittelt versus T-Zell-vermittelt – leicht modulieren.
AutorKontaktKerstin A. Gräfe
Datum 26.05.2025  14:00 Uhr

Die meisten Impfstoffe sind heutzutage sehr hoch aufgereinigt. Das macht sie gut verträglich, aber zugleich weniger immunogen. »Salopp gesagt fehlt ihnen der Dreck, der ansonsten bei Bakterien oder Viren mit dabei ist«, sagte Professor Dr. Robert Fürst von der Ludwig-Maximilians-Universität München beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran. Dieser fehlende »Dreck«, sogenannte pathogenassoziierte molekulare Muster (pathogen-associated molecular patterns, PAMP) wie Lipopolysaccharide von Bakterien oder Nukleinsäuren von Viren, mache den Einsatz von Adjuvanzien unverzichtbar.

PAMP aktivierten sogenannte Mustererkennungsrezeptoren (pattern recognition receptors; PRR). Dies schaffe an der Injektionsstelle eines Impfstoffs letztlich eine Zytokin-Umgebung, die wiederum dendritische Zellen aktiviert und die Aufnahme, Prozessierung und Präsentation von Antigenen verbessert. »Sie können ein noch so gutes Antigen haben, das Entscheidende ist dessen Präsentation«, betonte der pharmazeutische Biologe. Eine wichtige Gruppe dieser PRR seien die Toll-like Rezeptoren (TLR).

Fürst stellte in diesem Zusammenhang die neueren Adjuvanzien MLP und QS-21 vor. MLP sei ein detoxifiziertes Lipopolysaccharid (LPS), das wie natürliches LPS gramnegativer Bakterien ein Agonist an TLR 2 und 4 ist. »Dadurch wird das angeborene Immunsystem sehr effizient stimuliert«, sagte der Referent. Ebenfalls als PAMP wirkt QS-21, ein wasserlösliches Triterpensaponin aus dem Seifenrindenbaum (Quillaja saponaria). »QS-21 führt zur Makrophagen-Aktivierung und verstärkt die Antigen-Präsentation.«

Heutzutage könnten auch andere TLR gezielt von entsprechenden Adjuvanzien angesteuert werden. Dabei unterscheide sich leicht, in welchem Ausmaß dadurch die Zellen des angeborenen und adaptiven Immunsystems stimuliert und welche Subtypen der T-Helfer-Zellen präferenziell aktiviert werden. »Somit kann man, je nach Pathogen, das optimale Adjuvans für eine passende Immunantwort auswählen«, resümierte Fürst.

Wissenswertes zu weiteren neuen Impfstrategien, mit denen man unter anderem versucht, auch die »harten Nüsse« an Pathogenen wie das HI-Virus anzugehen, lesen Sie im Titelbeitrag der PZ 22/2025.

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