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Düstere Aussichten
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Die Darmkrebs-Welle kommt

Der März ist Darmkrebsmonat – seit ihn die Felix-Burda-Stiftung 2002 dazu ausrief. Mit kreativen Kampagnen setzt sich die Stiftung seitdem für die Früherkennung von Darmkrebs ein. Aktuelle Zahlen zeigen, dass das heute wichtiger ist denn je.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 03.03.2023  09:00 Uhr
Zunahme von Darmkrebs auch bei jüngeren Menschen

Zunahme von Darmkrebs auch bei jüngeren Menschen

Womöglich wäre aber selbst das unzureichend, denn zunehmend erkranken in Deutschland auch Menschen vor Erreichen des 50. Lebensjahres an Darmkrebs – und für diese Altersgruppe ist das allgemeine Screening ohnehin nicht vorgesehen. Professor Dr. Thomas Seufferlein von der Universitätsklinik Ulm stellte eine Übersichtsarbeit vor, die im vergangenen Jahr im »New England Journal of Medicine« erschienen war (DOI: 10.1056/NEJMra2200869). Sie zeige, dass die Inzidenz des sogenannten frühen Darmkrebses (Early-Onset Colorectal Cancer, EO-CRC) in der westlichen Welt zwischen 1988 und 2015 um 63 Prozent zugenommen habe.

»Mittlerweile ist jeder zehnte Darmkrebspatient bei Diagnose jünger als 50 Jahre«, sagte Seufferlein. Die Ursache sei eindeutig die »westliche« Lebensweise: der Verzehr von rotem und prozessiertem Fleisch, raffiniertem Getreide, viel Zucker (unter anderem in Softdrinks) sowie Rauchen und Bewegungsmangel. Diese Art der Ernährung führe zu Änderungen des Darmmikrobioms, die mit Darmkrebs assoziiert seien (»Gastroenterology« 2021, DOI: 10.1053/j.gastro.2021.08.003). Auch werde eine Modifikation des Darmmikrobioms durch Antibiotika als auslösender Faktor von EO-CRC diskutiert.

Bekanntermaßen kann eine Darmkrebserkrankung in jüngeren Jahren auch durch genetische Faktoren bedingt sein, allen voran duch das sogenannte Lynch-Syndrom. Allerdings liege laut Seufferlein nur bei jedem sechsten Patient mit EO-CRC eine pathogene Keimbahnmutation vor; die große Mehrheit der Patienten ist also genetisch nicht vorbelastet. Wichtig sei daher, das Bewusstsein für die Erkrankung zu schärfen, sodass etwa auch Hausärzte Patienten mit unklaren Durchfällen oder anderen unspezifischen Beschwerden im Zweifelsfall schneller zur Koloskopie raten würden.

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