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Legal Highs
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Der Konsument als Versuchskaninchen

Getarnt als Kräutermischungen oder Badesalz werden vor allem im Internet neue psychoaktive Stoffe angeboten. Valide Daten zur Pharmakologie, Qualität und Dosierung gibt es in der Regel nicht; Konsumenten können somit die potenziellen Effekte nicht wirklich abschätzen. Das gilt auch für pflanzliche Rauschmittel wie »Kratom«.
AutorKontaktKerstin A. Gräfe
Datum 13.03.2024  16:30 Uhr

Es war ein wahres Hase-und-Igel-Spiel: In den 2000er-Jahren kamen die ersten synthetischen Cannabinoide auf den Markt. Waren sie endlich dem Betäubungsmittelgesetz (BtmG) unterstellt, das in Deutschland den Umgang mit Rauschmitteln reguliert, tauchten kurzerhand später strukturell leicht modifizierte Substanzen auf – die wiederum nicht dem BtmG unterlagen. Denn das Gesetz gilt nur für Stoffe, die dort ­explizit genannt sind (Bestimmtheitsgrundsatz).

»Letztlich ist so ein hoch dynamischer und gänzlich unregulierter Markt synthetischer Rauschdrogen, sogenannter Legal Highs entstanden«, sagte Privatdozent Dr. Alexander Paulke vom Institut für Rechtsmedizin, Universitätsklinikum Frankfurt am Main, vergangenes Wochenende bei der Zentralen Fortbildung der Landesapothekerkammer Hessen in Gießen.

Um dem Dilemma beizukommen, wurde im Jahr 2016 das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) verabschiedet. In Abkehr vom Bestimmtheitsgrundsatz gelten dabei sogenannte Gruppenunterstellungen, um so den immer neuen Abwandlungen bekannter Leitstrukturen gesetzgeberisch Rechnung zu tragen.

Einteilung neuer psychoaktiver Substanzen

Unterstellt sind derzeit unter anderen Cannabinoid-­Mimetika, Benzodiazepin-Derivate ­sowie abgeleitete Verbindungen von Tryptamin, Arylcyclohexamin und Benzimidazol. »Nicht erfasst werden weiterhin bestimmte Arzneistoff- und Naturstoff-Mimetika sowie rein pflanzliche Rauschmittel«, konstatierte der Apotheker.

NpS können mit Blick auf ihre Wirkungen grob in Cannabinoid-Mimetika (»Spice«), Stimulanzien (Amphetamin- beziehungsweise Cathinon-Derivate, »Badesalze«), Arzneistoff-Mimetika und sonstige Chemikalien (»Research Chemicals«) eingeteilt werden. Valide Daten zur Pharmakologie gibt es in der Regel nicht; Konsumenten können somit die potenziellen Effekte nicht wirklich abschätzen. Hinzu kommen eine schlechte pharmazeutische Qualität und fehlende Deklaration der Wirk­stoffe. »Die Konsumenten machen sich zu Versuchskaninchen«, so Paulke.

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