Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Probleme beim E-Rezept
-
Der Card-Link-Aufstand

Mit aller Gewalt hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) das Card-Link-Verfahren durchgesetzt. Weil von der aktuellen Spezifikation vor allem die Versender profitieren würden, fordern andere Anbieter aus der Branche sofortige Nachbesserungen von der Gematik.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 02.04.2024  10:00 Uhr

Beim Card-Link-Verfahren nutzt der Versicherte sein NFC-fähiges Smartphone mit einer entsprechenden App als Kartenlesegerät für seine elektronische Gesundheitskarte (EGK). Trotz der Bedenken aller anderen Gesellschafter hatte das BMG mit seiner Mehrheit in der Gematik die Einführung des vierten Wegs für das E-Rezept durchgesetzt.

Doch jetzt meldet sich eine Expertengruppe bei der Gematik und weist auf ein »Interoperabilitätsproblem« hin. Die Kurzfassung der sehr technischen Ausführung: Der Weg von der App zur Apotheke wurde von der Gematik über das »card_interface« und die SICCT-Schnittstelle spezifiziert, aber nicht der Rückweg vom Apothekenverwaltungssystem (AVS) zur App über das »pharmacy_interface«.

Damit das Card-Link-Verfahren auch von Apotheken ohne eigene App genutzt werden könne, müsse das »pharmacy_interface« umgehend spezifiziert und standardisiert werden, so die Gruppe um Detlef Hühnlein, der mit »epotheke.com« selbst Card-Link-Anbieter ist.

»Rückweg« nicht bedacht

Hühnlein hat bekannte Unterstützer aus dem Expertenkreis des Interop Council: Jochen Brüggemann (Red Medical Systems), Bruno Ristok (C&S Computer und Software) und Christian Weigand (Fraunhofer IIS), weitere sollen folgen. Das Interop Council hat es sich zum Ziel gesetzt, eine bessere medizinische Versorgung durch mehr Interoperabilität zu gestalten. Das interdisziplinäre Gremium unter der Leitung von Professor Sylvia Thun vereint Experten aus Medizin und Medizininformatik sowie Anwender, Verbände und Industrie.

Die Kritik von Hühnlein und seinen Mitstreitern: Der »Rückweg« zur App über das »pharmacy_interface« sei »trotz zahlreicher nachdrücklicher Kommentare von vielen Gesellschaftern und Industrievertretern« von der Gematik nicht spezifiziert worden.

Die Folge: »Durch das unspezifizierte ›pharmacy_interface‹ entsteht eine sehr starke Kopplung zwischen AVS und App, so dass das ›eHealth-CardLink‹-Verfahren praktisch nur von großen Versandapotheken mit eigenen Apps genutzt werden kann.« Das Problem sei nur entstanden, weil die Gematik in enger Abstimmung mit dem BMG möglichst schnell eine vor allem für europäische Versandapotheken geeignete Lösung habe entwickeln müssen, so die Kritik.

Mehr von Avoxa