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Apotheken-Lieferdienste 
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Das Scheitern einer fragwürdigen Geschäftsidee

Kurando, Mayd, First A – vor drei Jahren verging gefühlt keine Woche ohne die Gründung eines neuen Arzneimittel-Lieferdienstes. Auf den Hype folgte Ernüchterung, fast alle Start-ups sind wieder vom Markt verschwunden. Doch warum scheiterten die jungen Unternehmen? 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 17.09.2024  18:00 Uhr

Hohe Zinsen und verspätete E-Rezepte 

Doch warum geben so viele Lieferdienste auf? »Diese Unternehmen brauchen gerade in ihrer Anfangsphase sehr viel Geld. Aufgrund der Zinswende sind Investoren allerdings zunehmend vorsichtig wenn es darum geht, Kapital in riskante Unternehmen zu investieren«, erklärte Niclas Vogt, Pressesprecher des »Start-up Verbandes«, gegenüber der PZ. Sehr viele junge Unternehmen hätten demnach aktuell Schwierigkeiten, sich frisches Kapital zu beschaffen. Ein Problem, das die gesamte Start-up-Szene betrifft. 

Außerdem sei es laut Voigt fraglich, ob die Lieferdienste überhaupt ein rentables Geschäftsmodell gehabt hätten. Dies beträfe nicht nur die Arzneimittellieferdienste, sondern beispielsweise auch den einst von Investoren gefeierten Lebensmittellieferdienst Gorillas. Dieser musste seine globalen Expansionspläne aufgeben und zog sich in diesem Jahr vom deutschen Markt zurück. 

Der Wettbewerb war von Anfang an hart. Mehrere Unternehmen mit sehr ähnlichen Geschäftsmodellen konkurrierten um die selben Märkte und Kunden. Die Start-ups mussten eigene Fahrer beschäftigen und konnten gleichzeitig pro Lieferung nur wenig Geld verlangen. Das Unternehmen Mayd versprach beispielsweise ursprünglich, Arzneimittel und andere Apothekenprodukte kostenlos innerhalb von 30 Minuten zu liefern. Schließlich musste  Mayd diesen Service auf verschreibungspflichtige Medikamente beschränken und für OTC-Produkte eine Liefergebühr verlangen. Die Kunden zahlten damit in der Regel drauf. Für die Lieferdienste fiel trotzdem nur wenig ab. 

Die Kuriere durften ursprünglich nur OTC-Produkte ausliefern, daher setzte die Branche große Hoffnungen auf das E-Rezept. Ursprünglich sollten die elektronischen Verschreibungen bundesweit am 1. Juli 2021 eingeführt werden, doch der Rollout wurde immer weiter verschoben. Als es schließlich zu Beginn des Jahres 2024 soweit war, waren Kurando und Aponia schon insolvent. Mayd hatte sein Kapital fast verbraucht und die Zahl der Fahrer deutlich reduziert. Fünf Monate nach dem Start des E-Rezepts musste auch der Marktführer aufgeben. 

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