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USA
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Das Comeback der Masern

Die Rückkehr der Masern in die USA entwickelt sich zunehmend zu einem politischen Problem für die republikanische Partei. Während die Infektionszahlen auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten steigen, wächst in der Bevölkerung die Unzufriedenheit mit der Impfpolitik der Trump-Regierung. Bemerkenswert ist, dass die Kritik inzwischen auch aus den eigenen Reihen kommt.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 19.10.2026  16:00 Uhr

In einem Gastbeitrag für das US-amerikanische Gesundheitsportal »STAT« vom 19. Oktober 2026 warnen die beiden ehemaligen republikanischen Kongressabgeordneten und Ärzte Dr. Larry Bucshon und Dr. Michael C. Burgess, dass die widersprüchlichen Botschaften ihrer Partei zum Impfen nicht nur die öffentliche Gesundheit gefährden, sondern auch die Chancen der Republikaner bei den Kongresswahlen im November erheblich beeinträchtigen könnten.

Der Hintergrund ist eine dramatische epidemiologische Entwicklung. Nachdem die Masern in den USA im Jahr 2000 offiziell als eliminiert galten, breitet sich die hochkontagiöse Virusinfektion inzwischen wieder verstärkt aus. Bereits 2025 kam es zu zahlreichen Ausbrüchen, die Quarantänemaßnahmen erforderlich machten und Notaufnahmen sowie Arztpraxen erheblich belasteten. Mehr als jeder zehnte Masernpatient musste stationär behandelt werden.

Für 2026 berichten die Autoren bereits von mehr als 4000 Erkrankungs- und sechs Todesfällen. Damit wurde die höchste jährliche Fallzahl seit 1991 erreicht. Zugleich droht den USA der Verlust ihres über Jahrzehnte erarbeiteten Maserneliminationsstatus.

Die besondere Bedeutung der Masernimpfung

Die beiden Mediziner erinnern daran, welche Bedeutung die Masernimpfung für die öffentliche Gesundheit besitzt. Vor Einführung der Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) infizierten sich in den USA jährlich bis zu vier Millionen Menschen mit Masern. Rund 48.000 Erkrankte mussten im Krankenhaus behandelt werden, etwa 500 starben. Erst durch die konsequente Immunisierung gelang es, die Viruszirkulation so weit zurückzudrängen, dass die Krankheit im Jahr 2000 als eliminiert eingestuft werden konnte. Diese historische Errungenschaft sehen Bucshon und Burgess nun gefährdet.

Als wesentliche Ursache für die aktuelle Entwicklung identifizieren die beiden Politiker eine zunehmend widersprüchliche Kommunikation der politischen Führung. Präsident Donald Trump habe sich zwar wiederholt für Schutzimpfungen im Kindesalter ausgesprochen, zugleich aber wissenschaftlich widerlegte Behauptungen über einen möglichen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus aufgegriffen. Im August unterzeichnete er zudem eine Anordnung zur Reduzierung des regulären Impfprogramms für Kinder.

Parallel dazu habe das US-Gesundheitsministerium wichtige Impfberatungsgremien destabilisiert, staatliche Impfprogramme infrage gestellt und die Gefährlichkeit der Masern heruntergespielt. Solche widersprüchlichen Signale der politischen Führung förderten nach Ansicht der Autoren Verunsicherung und Impfskepsis in der Bevölkerung.

Dass diese Entwicklung inzwischen auch politische Konsequenzen hat, zeigen aktuelle Umfragedaten. Einer Erhebung der Kaiser Family Foundation (KFF) zufolge lehnen mehr als 60 Prozent der US-Wähler den impfpolitischen Kurs der Trump-Regierung ab. Unter parteipolitisch unabhängigen Wählern beträgt die Zustimmung lediglich 28 Prozent. Beim Vertrauen in die Impfpolitik liegen die Demokraten inzwischen deutlich vor den Republikanern: 41 Prozent der Befragten trauen ihnen einen verantwortungsvolleren Umgang mit dem Thema zu, während nur 25 Prozent die Republikaner bevorzugen.

Besonders bemerkenswert ist, dass selbst Untersuchungen aus dem republikanischen Umfeld vor den politischen Folgen einer impfkritischen Haltung warnen. Das republikanische Meinungsforschungsinstitut Fabrizio Ward hatte bereits 2025 festgestellt, dass die Unterstützung etablierter Kinderimpfprogramme parteiübergreifend auf breite Zustimmung stößt.

So betrachten 74 Prozent der US-Amerikaner einen umfassenden Zugang zu von der Arzneimittelbehörde FDA zugelassenen Impfstoffen als politische Priorität. Fast 70 Prozent würden eher einen Kongresskandidaten unterstützen, der den Zugang zu Impfungen erhalten möchte, als einen Bewerber, der ihn einschränken will. Mehr als die Hälfte der Befragten erklärte sogar, einen impfkritischen Kandidaten weniger wahrscheinlich zu wählen, selbst wenn sie dessen übrige politische Positionen teilen.

Für Bucshon und Burgess ergibt sich daraus eine eindeutige Schlussfolgerung: Die republikanische Partei droht mit ihrer uneinheitlichen Impfpolitik Wähler zu verlieren, die ihr ansonsten politisch nahestehen. Angesichts der bevorstehenden Kongresswahlen könnte sich das Thema damit neben wirtschaftlichen Fragen und steigenden Lebenshaltungskosten zu einem entscheidenden Wahlkampffaktor entwickeln.

Die beiden ehemaligen Abgeordneten fordern ihre Partei deshalb auf, sich unmissverständlich zur wissenschaftlich fundierten Impfprävention zu bekennen. Der Zugang zu zugelassenen Impfstoffen müsse gesichert und die medizinische Beratung durch Ärzte gestärkt werden. Die individuelle Entscheidungsfreiheit von Eltern und das Vertrauen in Schutzimpfungen seien keine Gegensätze. Vielmehr müsse eine verantwortungsvolle Gesundheitspolitik sicherstellen, dass Familien verlässliche, wissenschaftlich abgesicherte Informationen erhalten.

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