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Zöliakie
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Das Chamäleon der Gastroenterologie

Ein Kleinkind, das ab der Einführung von glutenhaltiger Beikost an Durchfall und Bauchschmerzen leidet: Da liegt der Verdacht auf Zöliakie nahe. Allerdings zeigt nur eine Minderheit der Betroffenen diese klassischen Symptome. Auch bei unklaren Nährstoffmängeln und anderen eher unbekannten Symptomen sollte auf Zöliakie getestet werden.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 16.05.2025  16:20 Uhr

Schäden der Dünndarmschleimhaut

Infolge der chronischen Entzündung bilden sich die Dünndarmzotten zurück und die Oberfläche des Dünndarms, über die normalerweise viele Nährstoffe aufgenommen werden, verkleinert sich. Dadurch kann es bei Zöliakie-Betroffenen, die keine glutenfreie Diät (GFD) einhalten, zu Nährstoffdefiziten kommen.

Eine Zöliakie kann sich in jedem Lebensalter manifestieren oder auch gänzlich ohne Symptome bleiben. Es gibt eine Vielzahl von möglichen Symptomen, weshalb die Erkrankung auch das »Chamäleon der Gastroenterologie« genannt wird (Tabelle). Die klassische Zöliakie mit massiven gastrointestinalen Beschwerden und einer Gedeihstörung bei Kleinkindern mache nur 10 bis 20 Prozent der Fälle aus. »Das wichtigste ist, an die Zöliakie als eine mögliche Ursache überhaupt zu denken«, heißt es in der Leitlinie.

Organ(e) Symptome
Magen-Darm, Leber chronischer Durchfall, chronische Verstopfung, Erbrechen, postprandiales Völlegefühl, Flatulenz, geblähtes Abdomen, chronische Bauchschmerzen, Reizdarmsyndrom, chronische Pankreatitis, Gastritis ohne Helicobacter pylori, Lactoseintoleranz, Fettlebererkrankung, unklare Transaminaseerhöhung, mikroskopische Kolitis
Haut, Schleimhaut Dermatitis herpetiformis Duhring, chronische papulopustulöse Hautveränderungen, chronische Urtikaria, Psoriasis, Alopezia areata, Vitiligo, chronisch-rezidivierende Aphten
Knochen, Zähne Zahnschmelzdefekte, Osteoporose, wiederholte Frakturen
Muskeln, Gelenke Gelenkbeschwerden, unklare Arthritis, Muskelschwäche/-schmerzen, Ataxie
Geschlechtsorgane verspätete Pubertät, frühe Menopause, unerfüllter Kinderwunsch, wiederholte Fehlgeburten
Nährstoffe Mangel an Eisen, Calcium, Zink, Kupfer, Eiweiß, Albumin, Vitamin B6, Vitamin B12, Folsäure
Herz, Lunge, Niere Perikarderguss, Myokarditis, Kardiomyopathie, pulmonale Hämosiderose, IgA-Nephropathie
Sonstiges Anämie, chronische Erschöpfung/Müdigkeit, unklarer Gewichtsverlust, Kleinwuchs/verminderte Wachstumsgeschwindigkeit, Nachtblindheit, affektive Störungen, Epilepsie, Depression, Migräne, ADHS, periphere Neuropathie, Autismus, Essstörungen, lymphoproliferative Erkrankungen, unzureichende Impfantwort
Mögliche Symptome bei Zöliakie; Quelle: S2k-Leitlinie »Zöliakie«

Es gebe weder ein Leitsymptom noch ein klinisches Bild, das per se eine Zöliakie ausschließe, auch nicht Übergewicht oder Adipositas. Zöliakie werde häufig mit Untergewicht oder Gewichtsabnahme assoziiert; systematische Studien hätten jedoch gezeigt, dass bei Diagnosestellung 28 Prozent der Patienten übergewichtig und 11 Prozent sogar adipös seien.

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