Rauchen ist der größte Risikofaktor für die Entwicklung von Lungenkrebs. / © Getty Images/sebastiankaulitzki/science photo library
Das Lungenkrebsscreening mit Niedrigdosis-Computertomographie (CT) senkt sowohl die Mortalität als auch die Inzidenz fortgeschrittener Lungenkarzinome in den Stadien III und IV. Zu diesem Ergebnis kommt eine Arbeitsgruppe um Dr. Luciana Neamtiu der International Agency for Research of Cancer (IARC) in einer Analyse zu Nutzen und Risiken des Screenings bei Risikopopulationen. Die Expertinnen und Experten bewerteten die Evidenz anhand unterschiedlicher internationaler Studien und veröffentlichten ihren Bericht im Fachjournal »New England Journal of Medicine«.
Maßgeblich für die Evidenzbewertung bezogen auf die Mortalität sind die US-amerikanische NSTL-Studie und die europäische NELSON-Studie. Die Teilnehmenden mit CT-Screening hatten ein um 16 beziehungsweise 24 Prozent geringeres relatives Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, im Vergleich zu Personen, die eine Thoraxröntgenuntersuchung erhielten. Weitere sechs randomisierte Studien und drei Kohortenstudien untermauern das Ergebnis.
In sieben von acht randomisierten Studien wiesen die Probanden in der Gruppe mit einem CT-Screening zudem weniger Lungenkarzinome im Stadium III oder IV auf als Probanden in den Vergleichsgruppen. Das Team beschränkte seine Analyse auf Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 bis 80 Jahren. Sie sollten auf mindestens 20 bis 30 Packungsjahre kommen und höchstens 10 bis 15 Jahre Abstinenz bei ehemaligem Tabakkonsum erreichen.
Ein Lungenkrebs-Screening hat aber auch Nachteile, wie etwa Verunsicherung durch Fehlalarme und Überdiagnostik. Abhängig von der Studie seien 1 bis 42 Prozent der Befunde falsch-positiv, berichtet das Team. Dieser Anteil sei geringer, wenn standardisierte Protokolle mit einer eigenen Kategorie für unklare Lungenknoten und volumetrischer Größenbestimmung eingesetzt wurden. 5 bis 32 Prozent der Personen mit falsch-positivem Befund unterzogen sich einem oder mehr invasiven Eingriffen.
Verschiedene Studien schätzen den Anteil der Überdiagnosen auf 3 bis 26 Prozent. Insgesamt verhindert das Screening deutlich mehr Todesfälle, als es verursacht. Dennoch löst es in 1,4 bis 5,5 Fällen pro 10.000 gescreenten Personen ein Lungenkarzinom aus, schreibt die Arbeitsgruppe. Klinisch bedeutsame psychische Belastungen zeigen sich bei negativen Befunden nicht; ist der Befund falsch-positiv oder unklar, seien Auswirkungen auf die Psyche meist vorübergehend.
Um Risikogruppen besser zu erreichen, empfehlen die Expertinnen und Experten, sogenannte Patienten-Navigation einzusetzen. Geschulte Personen unterstützen dabei die Organisation und den Zugang zum Screening. Auch Erinnerungsschreiben und erneute Einladungen können die Teilnahmequoten erhöhen. Ergänzende Angebote zur Tabakentwöhnung können den gesundheitlichen und ökonomischen Nutzen des Screenings steigern.