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Pandemiefolgen
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Corona hat uns die Persönlichkeit geraubt

Die Covid-19-Pandemie hat nicht nur unseren Alltag auf den Kopf gestellt, sondern auch unsere Persönlichkeit verändert. Laut einer Studie sind wir heute weniger offen, verträglich und gewissenhaft.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 07.03.2025  10:00 Uhr

Normalerweise gibt es bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die im Erwachsenenalter unempfindlich gegenüber Umwelteinflüssen sind. Diese sogenannten Big Five bestehen aus Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Letzteres bezeichnet die Stressanfälligkeit.

Doch die Covid-19-Pandemie hat selbst dieses Fünf-Faktoren-Modell ins Wanken gebracht, wie ein Wissenschaftlerteam um die Psychologin Angelina Sutin von der Florida State University herausfand. Demnach sind die Menschen im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie nun introvertierter, weniger verträglich und gewissenhaft sowie weniger offen für Neues.

Die Veränderungen entsprachen laut der Studie einem Jahrzehnt normaler Schwankungen von Persönlichkeitsmerkmalen. Die Covid-19-Krise hat den natürlichen Prozess also beschleunigt. Die Beobachtung galt für alle der mehr als 7000 Teilnehmenden der Untersuchung im Alter zwischen 18 und 109 Jahren. Junge Erwachsene hat es allerdings am stärksten getroffen. Sie waren im sozialen Umgang deutlich weniger verträglich und gewissenhaft sowie insgesamt stressanfälliger.

Ein weiteres interessantes Ergebnis: Viele Menschen begannen während der Pandemie zwar mit einem gesundheitsbewussteren Lebensstil, ernährten sich besser und trieben mehr Sport. Oder versuchten, ihre Aufmerksamkeit wieder mehr auf psychologisches, emotionales und intellektuelles Wachstum zu richten, unter anderem durch Achtsamkeitsübungen oder neue Hobbys. Dennoch haben die empfundene psychische Gesundheit sowie das Wohlbefinden deutlich abgenommen. Da Wohlbefinden und Persönlichkeit eng miteinander verbunden sind, fühlt sich folglich ein extrovertierter Mensch trotz neuer Hobbys nicht mehr so wohl wie früher – so die Erklärung.

Weniger Verantwortung übernehmen

Speziell hat die Pandemie sich auf folgende Bereiche negativ ausgewirkt: die Fähigkeit, anderen Menschen gegenüber Empathie, Freundlichkeit, Solidarität und Hilfsbereitschaft zu zeigen. Die anhaltende Unsicherheit sowie der Rückgang der Mobilität könnten womöglich die Weltsicht beschränkt haben, heißt es.

Auch die Offenheit, uns auf neue Situationen einzulassen, hat abgenommen. In der Folge sind wir misstrauischer und verhaltener geworden. Weniger stark suchen wir außerdem die Gesellschaft anderer Menschen und genießen sie. Nach den Einschränkungen des Soziallebens sind die Forschenden davon allerdings wenig überrascht.

Mehr allerdings darüber, dass uns inzwischen oft der Ansporn fehlt, Ziele anzustreben, Aufgaben gut zu erledigen und Verantwortung ernst zu nehmen. Seltenere Verpflichtungen sowie eine fehlende Alltagsstruktur stecken laut der Studie hinter dem Rückgang an Gewissenhaftigkeit. Für den Umgang mit anderen bedeutet das: Wir sind unorganisierter und unzuverlässiger.

Vor allem aber sorgt sich das Autorenteam um das Stressempfinden. Denn mit Neurotizismus stiegen Gesundheitsrisiken sowie die Entwicklung psychischer Erkrankungen, warnen sie.

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