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Hartnäckige Hypertonie
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Conn-Syndrom ist bei einem Drittel heilbar

Hält sich eine Hypertonie trotz guter Blutdruckmedikation und Compliance hartnäckig, könnte ein Conn-Syndrom vorliegen. Die Erkrankung der Nebennieren ist für mehr als 10 Prozent der Hypertoniefälle verantwortlich.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 23.09.2022  09:00 Uhr

Die Nebennieren sind kleine, aber hocheffiziente Hormonfabriken. Mehrere ihrer Sekretionsprodukte sind an der Blutdruckregulation beteiligt. »Der primäre Hyperaldosteronismus, also das Conn-Syndrom, ist eine der Hauptursachen des speziell behandelbaren Bluthochdrucks«, informierte Professor Dr. Martin Fassnacht vom Uniklinikum Würzburg bei einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Hierbei wird Aldosteron, das physiologisch in eine kontrollierte Hormonkaskade eingebunden ist, exzessiv und unreguliert ausgeschüttet. Die Folge ist ein deutlich erhöhter Blutdruck. »Patienten mit Conn-Syndrom haben ein deutlich höheres Risiko für Vorhofflimmern, Schlaganfall, Herzinfarkt und Herzinsuffizienz als Patienten mit essenzieller Hypertonie«, sagte Fassnacht.

Der Internist und Endokrinologe plädierte für eine frühzeitige Diagnose, denn dieses Risiko könne man deutlich senken, zum Beispiel mit kontinuierlicher Gabe des Aldosteron-Antagonisten Spironolacton. »Etwa ein Drittel der Patienten können wir sogar dauerhaft heilen.« Diese Menschen haben einen gutartigen Nebennierentumor, der ungezügelt Aldosteron produziert. Wird er operativ entfernt, ist die Erkrankung verschwunden.

Bei jungen Hypertonikern früh an Conn denken

»Spätestens, wenn die intensive Blutdrucktherapie mit drei Antihypertonika nicht greift, sollte man an ein Conn-Syndrom denken. Günstiger wäre es, vor allem bei Menschen mit Hypertonie unter 50 Jahren gleich zu Beginn an die Erkrankung zu denken und einen Renin-Aldosteron-Test machen«, sagte Fassnacht. Wahrscheinlich werde aber nur 1 Prozent der Fälle des Conn-Syndroms entdeckt.

Für die Diagnostik empfiehlt Fassnacht zwei Schritte. Zunächst reiche die Messung von Aldosteron und dem Steuerungshormon Renin als Screening beim Hausarzt oder Internisten. Der obligate Bestätigungstest, in der Regel mit einem intravenösen Kochsalz-Belastungstest, und eine vertiefte Diagnostik müssten beim Endokrinologen erfolgen. Doch auch beim Bestätigungstest könne es falsch-positive Ergebnisse geben, vor allem bei grenzwertigem Ergebnis des Labortests. »Aber eindeutige Fälle bleiben eindeutig.«

Risikopatienten: Tumor plus zu viel Cortisol

Der Arzt wies auf eine besondere Risikogruppe hin: Patienten mit Nebennierentumor und zusätzlicher  autonomer Cortisol-Ausschüttung. Etwa 3 Prozent der erwachsenen Allgemeinbevölkerung habe einen Nebennierentumor, der meist zufällig entdeckt wird. Bei manchen produziere der Tumor »ein leichtes Zuviel an Cortisol«. Diese leiden deutlich häufiger an Bluthochdruck und Diabetes und haben ein deutlich erhöhtes Mortalitätsrisiko.

Dieses Risiko sei alters- und geschlechtsabhängig, wie eine kürzlich im Fachblatt »Lancet Diabetes Endocrinology« publizierte Studie gezeigt habe. Während Männer über 65 Jahren mit Nebennierentumor und vermehrter Cortisol-Produktion kein erhöhtes Risiko aufwiesen, sei die Sterblichkeit bei Frauen unter 65 Jahren mit dieser Konstellation mehr als vervierfacht gewesen, berichtete Fassnacht. Völlig unklar sei, ob man dieses Risiko durch eine Operation oder Medikamente senken kann.

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