| Melanie Höhn |
| 13.03.2026 10:00 Uhr |
Auch was die Patentanmeldungen angeht, holt China immer weiter auf. Dortige Pharmaunternehmen melden mittlerweile mehr Patente für chemisch-basierte pharmazeutische und biopharmazeutische Neuentwicklungen an als Pharmakonzerne in Deutschland, berichtet das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW).
Insbesondere der biopharmazeutische Sektor habe in China zuletzt deutlich an Bedeutung gewonnen. Die Patentanmeldungen chinesischer Pharmakonzerne hätten sich in diesem Bereich seit etwa zehn Jahren sogar dynamischer als jene der USA entwickelt, so das Institut. »Europa kann hier weder mit China noch mit den USA mithalten. Das Ergebnis: Pharmazeutische Unternehmen in China sind immer seltener reine Generikahersteller, sondern entwickeln sich zunehmend zu globalen Innovationsführern. Hierauf muss Europa eine Antwort finden«, schlussfolgern die Autoren des IW-Gutachtens.
Das Institut fordert »dringend« eine zielgerichtete politische Strategie zur Stärkung des europäischen (bio)pharmazeutischen Innovations- und Produktionsstandorts. Grundlegendes Ziel müsse die nachhaltige Versorgungssicherheit der Bevölkerung sein, auch im Krisen- und Konfliktfall.
Auch die Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing (GTAI) berichtet, dass der chinesische Pharmamarkt, unter anderem angetrieben durch technologische Fortschritte, expandiert. Firmen wie Sinopharm, Jiangsu Hengrui Medicine und CSPC Pharmaceutical Group würden die Produktion von Generika dominieren, aber auch Wettbewerbsstärke bei innovativen Medikamenten, etwa in Onkologie, Immunologie und Biologika, gewinnen.
Mittlerweile habe die chinesische Regierung Anreize durch einen erweiterten Patentschutz oder eine beschleunigte Produktzulassung für den Aufbau einer modernen Pharmaindustrie mit eigenständiger Medikamentenentwicklung geschaffen, so die GTAI.
Auch was die Breitenversorgung wichtiger generischer Medikamente angeht, hänge Europa noch immer in hohem Maße von Importen aus China ab. Das Land sei in zahlreichen strategischen Lieferketten mittlerweile unverzichtbar, verdeutlichte das Institut der deutschen Wirtschaft in seinem Gutachten: »China ist heute in der Lage, kritische Abhängigkeiten zur offensiven Durchsetzung eigener Interessen zu nutzen. Dies gilt auch für pharmazeutische Lieferketten. Bereits vor mehr als zwanzig Jahren hat China den gezielten Aufbau der eigenen Pharmaindustrie beschlossen und seither konsequent umgesetzt.«