| Cornelia Dölger |
| 27.01.2026 12:00 Uhr |
Das Card-Link-Verfahren war von vornherein als Brückentechnologie konzipiert. Am Ende sollen Gesundheits-IDs in der Fläche verwendet werden. / © FUNKE Foto Services
PoPP steht für Proof of Patient Presence. Gemeint ist eine neue Authentifizierungstechnologie der Gematik für den Zugriff auf E‑Rezepte und weitere Dienste der Telematik-Infrastruktur (TI). Das Verfahren wurde entwickelt, um Card Link abzulösen.
Card Link war von vornherein als Brückentechnologie angelegt. Ab diesem Frühjahr soll die Gesundheits-ID das Verfahren nach und nach ablösen. PoPP soll den bisherigen VSDM++‑Prozess zur Prüfung der Versichertenstammdaten stufenweise ersetzen, auf dem auch die Card-Link‑Lösung basiert. Eine Parallelbetrieb ist offiziell vorgesehen, die Card-Link-Lizenz läuft bis 31. Januar 2027.
Die Versender sind schon länger bemüht, einen nahtlosen Übergang zur neuen Technologie zu schaffen, an dessen Ende die flächendeckende Verwendung von Gesundheits-IDs stehen soll. So auch jetzt: Redcare teilt mit, dass die Gematik einen ersten Entwurf für das neue PoPP‑Modul veröffentlicht habe. Von der Gematik selbst gibt es noch keine offizielle Mitteilung.
Redcare-CEO Olaf Heinrich betont, dass der Entwurf »eindeutig eine nahtlose und kundenorientierte digitale Abwicklung der Einlösung von E-Rezepten« fördere. Kundinnen und Kunden hätten die Möglichkeit, den Status der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und den Versicherungsnachweis ohne PIN direkt in der Shop-Apotheke-App zu prüfen; eine SMS‑Verifizierung der Telefonnummer sei nicht mehr nötig.
Bis 9. Februar 2026 können Stakeholder Rückmeldungen zu dem Entwurf geben. Für das erste Quartal 2026 wird die Veröffentlichung der finalen PoPP-Spezifikationen für die Fernversorgung erwartet. Redcare will dann die technische Integration in der App abgeschlossen haben und die behördlichen Freigaben einholen.
Schon vergangenes Jahr, als Analysten den Technologie-Übergang als potenzielles Risiko für Shop Apotheke & Co. einstuften und sich der Kommentar kurz, aber heftig an der Börse bemerkbar machte, bemühten sich die Versender, die Wogen zu glätten. Dass die Gesundheits-ID Card Link ab April 2026 als primäre Zugangsmethode für digitale Verschreibungen ersetzen solle, könne dazu führen, dass Patienten ohne Gesundheits-ID beim E-Rezept außen vor seien. Ohne Card Link könnten die Versender-Apps nicht mehr genutzt werden, so die Befürchtung. Redcare-CEO Heinrich wiegelte ab und sprach schon damals von einer neuen Technologie – PoPP –, die Card Link ersetzen werde.
Bei der langsam auslaufenden Technologie waren die Versender seinerzeit die ersten Anbieter, die sich das behördliche Go gesichert hatten. Kurz nach der bundesweiten verpflichtenden Einführung des E-Rezepts zum Jahresbeginn 2024 machte Doc Morris im April den ersten Aufschlag und war damit der erste Anbieter, der Card Link am Markt einsetzte. Gut zwei Wochen später zog Redcare nach und erhielt die Zulassung der Gematik.
Das Card-Link-Verfahren war von den Versendern selbst entwickelt worden, um sicherzustellen, dass sie den Rx-Markt digital bedienen können. Für Kritik hatte im Vorhinein die Entscheidung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) gesorgt, das Verfahren gegen alle Sicherheitsbedenken in der Gematik-Gesellschafterversammlung im Alleingang durchzusetzen.
Das Papier-Rezept ist ein Auslaufmodell. Mit dem E-Rezept sollen alle Arzneimittel-Verordnungen über die Telematikinfrastruktur abgewickelt werden. Wir berichten über alle Entwicklungen bei der Einführung des E-Rezeptes. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite E-Rezept.