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Neue Zelltherapien
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CAR-T-Zellen können viel mehr

Innovative Zelltherapien wie CAR-T-Zellen könnten künftig auch bei soliden Tumoren und Autoimmunerkrankungen zum Einsatz kommen. Sie sollen schonender für die Patienten sein, sind aber deutlich teurer als herkömmliche Therapien.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 16.09.2025  13:12 Uhr

Die klassische Zelltherapie umfasst die Transplantation von Blutstammzellen, die entweder von einem gesunden Spender (allogen) oder vorab vom Patienten selbst (autolog) gewonnen wurden. Diese Therapie ist etabliert bei Patienten mit Leukämien und anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems – in der Regel nach einer hochdosierten Chemotherapie und eventuell Bestrahlung.

Bei innovativen Zelltherapien werden die gewonnenen Zellen spezifisch weiterverarbeitet. Beispiel: CAR-T-Zellen sind zytotoxische T-Zellen, die mit einem chimären Antigenrezeptor (CAR) ausgestattet werden. »Werden solche maßgeschneiderten Produkte, die sich gegen die konkrete Erkrankung des Patienten richten, verabreicht, genügt in der Regel vorab eine mildere Chemotherapie und die ursprüngliche Blutbildung des Patienten bleibt teilweise erhalten«, berichtete Professor Dr. Kristina Hölig, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI), kürzlich bei einer Online-Pressekonferenz der Fachgesellschaft.

Für die Patienten sei dies meist besser verträglich und schonender als die klassische Blutstammzelltransplantation (SZT). Allerdings: »Die moderne Zelltherapie ist etwa zehnmal teurer als klassische SZT«, sagte die Ärztin vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden.

Hilfreich bei soliden Tumoren und Autoimmunerkrankungen

Aktuell sind nur CAR-T-Zellen für die Behandlung von Lymphomen, multiplem Myelom und akuter lymphatischer Leukämie (ALL) in der Routine zugelassen. Die Zelltherapien könnten aber auch bei soliden Tumoren eingesetzt werden. Hölig, Leiterin des Instituts für Transfusionsmedizin Dresden beim DRK-Blutspendedienst Nord-Ost, nannte Tumoren des Gehirns (Glioblastome), der Brustdrüse, der Bauchspeicheldrüse sowie Melanome.

Ebenfalls neu sei der Einsatz bei Autoimmunerkrankungen in der Rheumatologie. Es gibt bereits positive Fallberichte mit CAR-T-Zellen bei Menschen mit systemischem Lupus erythematodes (SLE), Myositiden oder systemischer Sklerose. Auch bei Patienten mit schweren chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sei diese Therapie erfolgversprechend.

Die Transfusionsmedizinerin wies auf Arzneimittel in Entwicklung hin, die auf gentechnisch modifizierten natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) basieren. »So entstehen auch hier gezielte Zelltherapeutika für die genannten Indikationen.«

Herausfordernd seien die hohen Kosten und die begrenzten Herstellungskapazitäten. Die In-House-Herstellung von Zelltherapeutika in medizinischen Einrichtungen, zum Beispiel Krankenhäusern, könne die Kosten erheblich senken, erwartet Hölig.

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