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KNDy-Neurone
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Candys, die Frauen zum Schwitzen bringen

KNDy-Neurone werden wie »Candy«-Neurone ausgesprochen. Anders als der Name vermuten lässt, sind sie aber nicht für den Hunger auf Süßes zuständig, sondern für die Thermoregulation. Sie gelten als ein zentraler Auslöser von Hitzewallungen in den Wechseljahren.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 13.02.2024  07:00 Uhr

Wenn Frauen in die Wechseljahre kommen, kann das mit einer Reihe von Beschwerden einhergehen. Hierzu zählen allgemeine Symptome wie Stimmungsschwankungen, Unwohlsein oder Kopfschmerzen, die viele Frauen gar nicht mit ihrem Alter in Verbindung bringen, aber auch »typische« Beschwerden wie vasomotorische Symptome (VMS). Diese werden landläufig auch als Hitzewallungen bezeichnet und bestehen aus mehrminütigen Episoden starken Hitzeempfindens, in denen sich Gesicht und Oberkörper röten und stark schwitzen. Direkt im Anschluss folgt häufig ein Kälteempfinden mit Schüttelfrost. Oftmals gehen Hitzewallungen mit anderen vegetativen Symptomen einher, etwa Beklemmungsgefühle im Kopf oder Brustkorb, Unruhe, Übelkeit oder Herzklopfen.

»Mehr als die Hälfte der Frauen zwischen 40 und 64 Jahren berichtet von VMS«, sagte Professor Dr. Petra Stute von der Frauenklinik Inselspital Bern kürzlich bei einer Pressekonferenz der Firma Astellas. Anlass der Veranstaltung war die EU-Zulassung des Wirkstoffs Fezolinetant beziehungsweise die unmittelbar bevorstehende Markteinführung des Fezolinetant-haltigen Medikaments Veoza™ von Astellas.

Was löst VMS aus? Hierzu habe es in den vergangenen Jahren neue Erkenntnisse gegeben, informierte Stute. Grundsätzlich habe der Mensch eine thermoneutrale Zone, also einen Temperaturbereich rund um die normale Körpertemperatur, in dem keine Temperaturregulation in Form von Schwitzen (zum Abkühlen) oder Zittern (zum Aufwärmen) stattfinde. Diese thermoneutrale Zone werde in der Menopause schmaler, sodass schon geringfügige Veränderungen der Körpertemperatur eine starke Reaktion zur Wärmeabgabe auslösen können.

Zentrale Steuerung der Körpertemperatur

»Da die Thermoregulation zentral gesteuert wird, hat man sich die Neurotransmitter genauer angesehen, die daran beteiligt sind«, sagte Stute. Dabei sei man auf die KNDy-Neurone gestoßen: Nervenzellen, die sowohl das Peptidhormon Kisspeptin als auch die Neuropeptide Neurokinin B (NKB) und Dynorphin A enthalten (siehe Kasten). KNDy-Neurone im Hypothalamus seien sowohl an der Steuerung des Zyklus über das Gonadotropin-freisetzende Hormon (GnRH) als auch an der Thermoregulation beteiligt. »Nach der Menopause ist das KNDy-Signalsystem im Hypothalamus hypertrophiert«, berichtete die Gynäkologin. Daraus habe man geschlossen, dass die KNDy-Neuronen das Bindeglied zwischen den endokrinen Veränderungen während der Menopause und VMS darstellen.

Die KNDy-Neurone im Hypothalamus werden durch NKB stimuliert und durch Estrogen gehemmt. Da der Estrogenspiegel im Verlauf der Wechseljahre abnimmt, überwiegt schließlich der aktivierende Einfluss des NKB und die Nervenzellen hypertrophieren. Dadurch können Schwankungen des Hormonspiegels, wie sie für die Wechseljahre typisch sind, leichter überstarke Reaktionen wie Hitzewallungen auslösen.

Mit Fezolinetant ist seit Monatsbeginn ein NK3-Rezeptorantagonist auf dem deutschen Markt verfügbar. Er dient zur Behandlung von moderaten bis schweren VMS, die mit der Menopause assoziiert sind. Betroffene Frauen nehmen einmal täglich eine Filmtablette mit 45 mg Wirkstoff ein. Laut Astellas konnte in den Zulassungsstudien gezeigt werden, dass Fezolinetant Schwere und Häufigkeit von VMS-Episoden signifikant stärker senkt als Placebo. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Durchfall und Schlafprobleme.

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