| Lukas Brockfeld |
| 23.01.2026 10:00 Uhr |
Daniela Noack, Alexander Leutner, Franziska Giffey und Bettina von Streit (v.l.n.r.) sprechen über den Pharma-Standort Berlin. / © PZ/Brockfeld
Am Mittwoch luden die »Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe Berlin« sowie der »Verband der Chemischen Industrie Nordost« (VCI) zum Berliner Pharmagespräch 2026 ein. Dabei tauschten sich Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Industrie, Verwaltung, Wissenschaft und Gewerkschaften über die Probleme und das Potenzial der Berliner Pharmaunternehmen aus.
Die Veranstaltung wurde von Franziska Giffey, Bürgermeisterin von Berlin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, eröffnet. »Die pharmazeutische Industrie ist systemrelevant für unsere Gesundheitsversorgung und darüber hinaus ein starker Wirtschaftsfaktor für die Hauptstadt«, sagte die Sozialdemokratin. »Unser Ziel ist es, Berlin als zukunftsweisenden Biotechnologie-, Pharma- und Gesundheitsstandort weiter auszubauen – mit verlässlichen politischen Rahmenbedingungen, gezielten Investitionen in die Produktion und einer starken Forschungsförderung. So sichern wir die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Berliner Unternehmen, die für über 7.000 Menschen in unserer Stadt Arbeitsplätze schaffen.«
Giffey betonte mehrfach, dass sich Deutschland in einer schwierigen politischen und wirtschaftlichen Zeit befände und seine Resilienz stärken müsse. Dabei verwies sie auch auf den mutmaßlich von Linksextremisten ausgeführten Anschlag, der Anfang Januar in Teilen Berlins für einen tagelangen Stromausfall sorgte. Zur Resilienz gehöre auch die Pharmabranche. »Eine starke Gesundheitswirtschaft und gut aufgestellte pharmazeutische Unternehmen bedeuten Sicherheit und Resilienz gerade auch in Krisensituationen«, betonte die Politikerin.
In zwei darauffolgenden Podiumsdiskussionen wurde allerdings deutlich, dass sich die Berliner Pharmabranche durch Bürokratie und Regularien ausgebremst fühlt. So berichtete Alexander Leutner,
Co-CEO und Mitbegründer des Start-ups »Cellbricks«, vom schwierigen Umgang mit den oft langsamen deutschen Behörden. »Wir sind auf Förderungen und Investorengelder angewiesen. Jeder Monat in dem wir auf eine Rückmeldung der Behörden warten, ist ein Wettbewerbsnachteil«, berichtete der Gründer.
Leutner erzählte von seinen schlechten Erfahrungen, die er bei der Genehmigung eines Tierversuchs mit Mäusen machen musste. »Zweimal mussten wir zwischen sechs und zwölf Monate auf die Genehmigung warten. In Boston waren es sechs Wochen. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, das in Boston zu machen«, sagte Leutner.
»Trotzdem haben wir im globalen Vergleich eine sehr gute Ausgangslage in Berlin. Wir haben eine wunderbare Universitätslandschaft, wir haben die Charité direkt vor der Tür und hervorragende Kooperationsprojekte. Das Problem ist, dass wir die PS nicht auf die Straße kriegen«, klagte der Unternehmer. Im internationalen Vergleich ließe sich in Deutschland zwar gute Grundlagenforschung betreiben, doch sobald es in die konkrete Umsetzung gehe, sei die amerikanische FDA ein deutlich angenehmerer Partner als die deutschen Behörden.