Die Behandlung von Brandwunden hat sich dank neuer Entwicklungen deutlich verbessert – zum Wohle der Patienten. / © Adobe Stock/Michelle
Mit dem Tod eines 18-Jährigen ist die Zahl der Brandopfer von Crans-Montana nun auf 41 gestiegen. Der junge Schweizer erlag seinen Verletzungen am Samstag in einer Klinik in Zürich, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft Wallis berichtete.
Doch bisher ist das der einzige Fall, in dem die Mediziner den Kampf um das Überleben der Brandverletzten verloren haben. Einen Monat nach der Katastrophe ist die Bilanz damit auch aus Sicht der Mediziner erstaunlich. Grundsätzlich sahen die Überlebenschancen für viele der gut 80 teils schwer verbrannten jungen Menschen zunächst schlecht aus. »Wir waren positiv überrascht«, sagt Professor Dr. Frank Siemers, der bisherige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin, der Deutschen Presse-Agentur. »Es ist davon auszugehen, dass viele großflächig verletzt wurden, 60 oder 70 Prozent. Dazu kam der Rauch, womöglich toxische Substanzen - das bedeutet ein hohes Risiko, dass sie das nicht überleben.«
Rückblende: Funkensprühende Partyfontänen haben in der Neujahrsnacht in einer Bar in dem Schweizer Ort einen Brand entfacht. Die Flammen breiteten sich rasant aus, viele Menschen kamen über die enge Treppe aus dem Kellergeschoss nicht mehr rechtzeitig ins Freie. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung sowie Brandstiftung. Dass die Verletzten die erste kritische Phase überlebten, verdanken sie mehreren Faktoren, sagt Siemers. Sie seien überwiegend jung, ihr Immunsystem intakt. Sie seien zudem in den ersten Stunden sehr gut versorgt worden, etwa mit lebenswichtigen Infusionen, um Herz- und Kreislaufversagen zu verhindern. Und die Schweizer hätten sehr schnell spezialisierte Kliniken in Nachbarländern gebeten, Patienten aufzunehmen, auch in Deutschland.
»Viele haben die erste kritische Phase überstanden und sind erst einmal über den Berg, aber es gibt in diesen Wochen immer noch kritische Phasen«, sagt Siemers. »Nach den Operationen zum Abtragen der verbrannten Haut müssen die großen Wundflächen verschlossen werden, damit keine Keime eintreten.«
Viele Schwerverletzte dürften Wochen oder Monate im Krankenhaus liegen. Um die Privatsphäre zu schützen, machen Kliniken keine Angaben über Fortschritte ihrer Patienten. Lediglich das Universitäts-Kinderspital Zürich sagt auf Anfrage, das von seinen fünf Patienten aus Crans-Montana diese Woche noch zwei auf der Intensivstation waren. Im Zentrum für Brandverletzte der Uniklinik CHUV in Lausanne werden nach wie vor neun Patienten behandelt. »Es hat sich in den vergangenen 10, 20 Jahren enorm viel getan, was die Überlebenschancen deutlich verbessert hat«, sagt Siemers. Eine Auswahl:
Welche Lebensqualität die Patientinnen und Patienten später erwartet, sei sehr unterschiedlich, sagt Siemers. Manche dürften monatelang in Kliniken sein. Einige brauchen noch über Jahre weitere Operationen, etwa wegen Narbenbildung. »Es hängt viel davon ab, welche Körperteile betroffen sind, ob es etwa funktionelle Einbußen gibt wie an den Händen. Und es hängt davon ab, wie sie die Situation psychisch verarbeiten.«