Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Handelsblatt-Tagung 
-
BMG will starken Preisverfall bei Biosimilars 

Die Bundesregierung muss auch bei den Arzneimittelausgaben sparen. Das sagte Thomas Müller, Abteilungsleiter im Bundesgesundheitsministerium, bei der »Pharma 2026«-Jahrestagung. Gerade bei den Biosimilars brauche es einen starken Preisverfall. Doch die Politik von US-Präsident Donald Trump könnte die Sparbemühungen unterlaufen.
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 11.02.2026  13:00 Uhr
BMG will starken Preisverfall bei Biosimilars 

Am Mittwoch hielt Thomas Müller, Leiter der Abteilung 1 »Arzneimittel, Medizinprodukte und Biotechnologie« des Bundesgesundheitsministeriums, einen Vortrag auf der vom Handelsblatt organisierten »Pharma 2026«-Jahrestagung in Berlin. Müller sprach darin unter anderem über die Sparbemühungen der Bundesregierung und die Entwicklung der Arzneimittelpreise.

Das Milliardendefizit der Krankenkassen sorgt seit Langem für Diskussionen. Die Bundesregierung hat daher eine Expertenkommission eingesetzt, die Ideen für mögliche Sparmaßnahmen erarbeitet und diese im März vorstellen soll. Die Arbeit der Kommission beeinflusst laut Müller auch den aktuell stattfindenden Pharmadialog und die gesamte Arbeit des Ministeriums. 

Im Bereich Pharma fokussiere sich sein Ministerium aktuell auf die Faktoren Standortattraktivität, stabile GKV-Finanzen und einen guten Patientenzugang. Doch die GKV-Finanzen seien die größte und wichtigste Baustelle. »Die GKV kann nur funktionieren, wenn die Einnahmen der Kassen im Einklang mit den Ausgaben sind«, sagte Müller. Mit dem Finanzministerium spreche man daher unter anderem über die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel oder Zuschüsse für versicherungsfremde Leistungen. Bisher seien die Spielräume aber sehr eng und die bisherigen Vorschläge zur Verbesserung der GKV-Einnahmen dürften der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft schaden.

Einsparungen bei Biosimilars »in Mache«

Der Abteilungsleiter betonte mehrfach den Handlungsbedarf. »Die finanzielle Stabilität der GKV ist ein so überragendes Gut, dass wir uns gar nicht vorstellen können, was passiert, wenn das nicht mehr funktioniert«, mahnte Müller. »Wenn wir nicht aufpassen und die Lohnnebenkosten weiter steigen, dann wird es sehr schwierig für die Attraktivität des deutschen Standorts und die Wettbewerbsfähigkeit. Das ist etwas, das wir lösen müssen.« 

Aktuell seien die Krankenhausausgaben der größte Posten der GKV, daher müsse man hier die Kosten unbedingt in den Griff bekommen. Doch die Sparmaßnahmen dürften sich nicht nur auf den stationären Sektor beschränken, sondern müssten auch die aktuell stark wachsenden Arzneimittelausgaben einschließen. »Das wird ein Paket werden. Wie das konkret aussehen wird, kann ich Ihnen aber noch nicht sagen.«

Bei möglichen Sparmaßnahmen könnten biologische Arzneimittel bedeutsam werden. Diese machen laut Müller inzwischen die Hälfte des Umsatzes im Patentmarkt aus und gewinnen weiter an Bedeutung. Anders als bei vielen konventionellen Arzneimitteln gäbe es bisher nur wenige Biosimilar-Nachahmerpräparate. Hier müsse sich das Angebot auf dem Markt erweitern. »Ich kann Ihnen noch nicht sagen, was wir in diesem Bereich machen werden, aber wir werden etwas machen«, versprach Thomas Müller

Das BMG arbeite gerade an Regelungen für den Biosimilar-Austausch, die im zweiten Quartal in Kraft treten sollen. Eine Apothekerin könne dann beispielsweise einen Pen gegen einen anderen austauschen, wenn es einen Rabattvertrag oder etwas Günstigeres gibt. Das BMG wolle so Einsparungen erzielen. »Wir wollen, dass die Innovationsrendite dann nicht mehr gezahlt wird. Das müssen wir auch, weil wir sonst kein Geld mehr für andere neue Innovationen haben. Wir brauchen einen starken Preisverfall«, sagte Müller. Die konkreten Regeln seien kompliziert und noch »in der Mache«. Der Biosimilar-Austausch wird scharf von der Pharmaindustrie kritisiert, die vor Lieferengpässen und einem Abwandern der heimischen Produktion warnt. 

Mehr von Avoxa