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Cochrane-Review
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Blutwäsche bei Long Covid ohne belegte Wirkung

Eine Plasmapherese bessert die Symptome von Patienten mit Long Covid nicht, so das Fazit eines aktuellen Cochrane-Reviews. Auch experimentelle Belege für den postulierten Wirkmechanismus des Verfahrens bei Long Covid konnten die Autoren nicht finden.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 17.08.2023  14:00 Uhr

Long Covid oder auch das Post-Covid-Syndrom zeichnet sich durch Symptome wie Erschöpfung, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Husten, Muskelschwäche oder auch Sprachstörungen aus, die nach einer abgeheilten Infektion mit SARS-CoV-2 fortbestehen. Die Mechanismen dahinter sind noch nicht geklärt. Eine Theorie ist, dass Mikrogerinnsel in den feinsten Blutgefäßen eine Rolle spielen, die die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff behindern. Folgerichtig wird die Blutwäsche (Plasmapherese) als experimenteller Ansatz bei Long Covid getestet, da sich mit ihr solche Gerinnsel aus dem Blut entfernen lassen.

Randomisierte kontrollierte Studien, die die Wirksamkeit des Verfahrens belegen würden, gebe es jedoch nicht, konstatiert eine Gruppe um Tilly Fox von der Liverpool School of Tropical Medicine in Großbritannien in einem neuen Cochrane-Review. Auch aktuell laufende Studien, die diese Evidenzlücke bald schließen könnten, hätten sich nicht identifizieren lassen, heißt es in einer begleitenden Pressemitteilung.

Die Forschenden werteten zudem fünf Laborstudien aus, um die Theorie der Mikrogerinnsel als Auslöser von Long Covid zu überprüfen. Dabei stellten sie fest, dass der bislang verwendete Begriff »Mikrogerinnsel« (Englisch microclots) medizinisch eigentlich nicht korrekt ist, da die fraglichen Partikel Amyloid enthalten, was in Thromben sonst nicht vorkommt. Sie prägen stattdessen den Begriff »Amyloid-Fibrin(ogen)-Partikel«. Diese seien allerdings sowohl bei Patienten mit Long Covid zu finden als auch bei Gesunden, sodass sich daraus zunächst kein Beleg dafür ergab, dass sie die Symptome der Betroffenen verursachen. Theoretisch könnte es aber sein, dass das Blut von Long-Covid-Patienten mehr oder größere Amyloid-Fibrin(ogen)-Partikel enthält als das von Gesunden. Dies ließ sich nicht eruieren, weil in den meisten Studien genaue Angaben dazu fehlten.

In der Mitteilung heißt es, dass in Deutschland nach einer prominenten Berichterstattung im Fernsehen vor allem das ursprünglich zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen entwickelte Verfahren der H.E.L.P.-Apherese bei Long Covid diskutiert werde (Heparin induzierte extrakorporale Lipoprotein/Fibrinogen-Präzipitation). Speziell hierzu gebe es noch keinen Cochrane-Review. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) habe aber bereits mitgeteilt, dass es für die H.E.L.P.-Apherese bei Long Covid keine Evidenz aus aussagekräftigen Studien gebe. Solche Studien sollten angesichts positiver Fallberichte dringend in die Wege geleitet werden, so die DGfN.

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