| Kerstin A. Gräfe |
| 04.03.2026 07:00 Uhr |
Laut der Deutschen Krebshilfe erkranken jedes Jahr in Deutschland etwa 5,8 von 100.000 Männern und 5,4 von 100.000 Frauen an einem Gallengangkarzinom oder Gallenblasenkrebs. / © Getty Images/Rasi Bhadramani
Biliäre Karzinome (BTC), zu denen auch das Gallenblasenkarzinom und Cholangiokarzinom gehören, sind eine seltene und aggressive Gruppe von Krebsarten. Weltweit sind etwa ein Viertel der Betroffenen HER2-positiv. Der Biomarker ist im Vergleich zu einer HER2-negativen Erkrankung mit schlechteren Überlebenschancen assoziiert.
Mit Zanidatamab ist nun für diese Erkrankung in der EU erstmals eine zielgerichtete Therapie verfügbar. Der duale, HER2-gerichtete bispezifische Antikörper bindet gleichzeitig an die extrazellulären Domänen 2 und 4 auf separaten HER2-Monomeren. Das führt zur Internalisierung des Antikörper-Rezeptor-Komplexes und somit zur Reduzierung der HER2-Rezeptordichte auf der Oberfläche von Krebszellen. Zudem induziert Zanidatamab komplementabhängige Zytotoxizität, antikörperabhängige zelluläre Zytotoxizität und antikörperabhängige zelluläre Phagozytose. Alle diese Mechanismen führen zur Hemmung des Tumorwachstums und zum Absterben der Tumorzellen.
Zanidatamab (Ziihera® 300 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Jazz Pharmaceuticals) ist indiziert als Monotherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-positiven (IHC 3+) biliären Karzinom, die zuvor mit mindestens einer systemischen Therapie behandelt wurden.
Die empfohlene Dosis beträgt 20 mg/kg Körpergewicht. Sie wird alle zwei Wochen als intravenöse Infusion verabreicht, bis die Krankheit fortschreitet oder inakzeptable Toxizität auftritt. Die ersten beiden Infusionen werden über einen Zeitraum von 120 bis 150 Minuten verabreicht. Wenn diese gut vertragen wurden, kann die Dauer der dritten und vierten Infusion auf 90 Minuten reduziert werden. Nachfolgende Infusionen können dann über 60 Minuten gegeben werden.
Vor jeder Infusion sollten die Patienten einen Prämedikation mit einem Corticosteroid, Antihistaminikum und Antipyretikum erhalten, um infusionsbedingte Reaktionen zu reduzieren. Die Patienten sind während der Verabreichung und nach Abschluss der Infusion auf entsprechende Anzeichen und Symptome zu überwachen. Geeignete Notfallmedikamente sowie eine Ausrüstung zur sofortigen Behandlung müssen verfügbar sein. Auftretende Reaktionen sind gemäß den Empfehlungen in der Fachinformation zu behandeln.
Des Weiteren sollten die Patienten auf Anzeichen und Symptome einer Pneumonitis überwacht werden. Bei einer bestätigten Pneumonitis ab Grad 2 ist die Behandlung dauerhaft abzusetzen.