Auf dem Weg dorthin haben die Mainzer aber immense Entwicklungskosten zu stemmen. Entsprechend stand für das Geschäftsjahr 2025 ein Nettoverlust von 1,12 Milliarden Euro zu Buche (Vorjahr: 665,3 Millionen Euro). Der Umsatz kletterte auf 2,87 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,76 Milliarden). Für das laufende Jahr 2026 erwartet das Unternehmen Erlöse zwischen 2,0 und 2,3 Milliarden Euro. Diese sollten die geplanten Forschungs- und Entwicklungskosten von 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro ausgleichen, hieß es.
Und warum nun der Ausstieg Sahins und Türecis? »Özlem und ich wollen ein weiteres Mal als Pioniere neue Wege beschreiten«, sagte Sahin in einer Mitteilung. Es sei schon immer ihre Vision gewesen, Wissenschaft in Fortschritte für Patientinnen und Patienten zu überführen. Nun biete sich die Chance, die nächste Generation an Innovationen zu erschließen.
Sowohl Sahin als auch Türeci sind Kinder türkischer Einwanderer. Sahin zog im Alter von vier Jahren mit seiner Familie nach Köln, wo sein Vater bei Ford arbeitete. Türeci wuchs im niedersächsischen Landkreis Cloppenburg auf, ihr Vater arbeitete als Arzt in einem katholischen Krankenhaus. Die beiden lernten sich während ihrer medizinischen Ausbildung an der Uniklinik im saarländischen Homburg kennen, gemeinsam gingen sie später nach Mainz.
Die Ankündigung dieses Schritts erfolgt einige Monate nach einem großen Deal in der deutschen Biotechnologie-Branche. Biontech hatte den einstigen Konkurrenten im Rennen um einen Corona-Impfstoff, das Tübinger Unternehmen Curevac, übernommen. Zuvor hatten Biontech und Curevac ihren Streit um Corona-Impfstoff-Patente beigelegt.
Nach dem angekündigten Abschied von Sahin und Türeci hat der Aufsichtsrat von Biontech nun damit begonnen, Nachfolgerinnen und Nachfolger für die beiden zu suchen, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen, wie es hieß. Sahin und Türeci hätten im Laufe ihrer Karriere immer wieder ihre Innovationskraft unter Beweis gestellt, sagte Aufsichtsratschef Helmut Jeggle. Man unterstütze sie bei ihrer Entscheidung, »die Chance zu ergreifen ihre Stärken und volle Aufmerksamkeit einem neuen Unternehmen zu widmen, um das volle Potenzial von mRNA-basierten Technologien auszuschöpfen«.
Das Virus SARS-CoV-2 hat unsere Welt verändert. Seit Ende 2019 verbreitet sich der Erreger von Covid-19 und stellt die Wissenschaft vor enorme Herausforderungen. Sie hat sie angenommen und rasch Tests und Impfungen, auch für Kinder, entwickelt. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite Coronavirus.