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Mammakarzinom
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Biomarkerbasierte Tests nicht unbedingt zu empfehlen

Entscheiden sich Frauen mit frühem Brustkrebs anhand des Ergebnisses eines biomarkerbasierten Tests gegen eine Chemotherapie, kann das für sie nachteilig sein. Das teilt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 21.11.2024  16:00 Uhr

Bei Patientinnen mit frühem Brustkrebs kann der Tumor oft durch eine Operation vollständig entfernt werden, häufig folgt zusätzlich eine Strahlentherapie. Um eine Rückkehr der Erkrankung zu verhindern, ist anschließend mitunter eine Chemotherapie notwendig. Nicht immer können Ärzte aufgrund der klinisch-pathologischen Kriterien allerdings eine klare Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie geben. In diesen Fällen können Tests zum Einsatz kommen, die anhand von Biomarkern das Risiko für ein Rezidiv abschätzen sollen. Diese sollen den Patientinnen bei der Entscheidung helfen, ob sie einer Chemotherapie zustimmen.

Derzeit werden vier Tests Patientinnen mit einem Mammakarzionom ohne Lymphknotenbefall von den Krankenkassen erstattet: MammaPrint, Oncotype DX, EndoPredict und Prosigna. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) die Evidenz dieser Tests zur Therapiesteuerung bei Patientinnen mit einem primären Hormonrezeptor(HR)-positiven, HER2/neu-Rezeptor-negatives Mammakarzinom überprüft. In seinem Abschlussbericht unterscheidet das Institut dabei abhängig vom Lymphknotenbefall und dem Menopausestatus zwischen verschiedenen Patientinnengruppen.

Dem IQWiG lagen relevante Daten aus randomisierten kontrollierten Studien (RCT) ausschließlich für die Produkte MammaPrint (MINDACT) und Oncotype DX (RxPONDER und TAILORx) vor, sodass eine Nutzenbewertung für die Produkte EndoPredict und Prosigna nicht vorgenommen wurde.

  • Bei prämenopausalen Patientinnen (bis 50 Jahre) spricht die Evidenz aus RCT gegen die Anwendung eines biomarkerbasierten Tests zur Therapiesteuerung bei Brustkrebs.
  • Bei postmenopausalen Patientinnen (über 50 Jahren) spricht die RCT-Evidenz für die Anwendung des Biomarker-Tests Oncotype DX zur Therapiesteuerung bei Brustkrebs.

Im Einzelnen sah das IQWiG für den MammaPrint-Test keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen bei Patientinnen mit einem bis drei befallenen Lymphknoten. Dies galt unabhängig vom Alter und vom Menopausenstatus der Patientinnen. Bei Verwendung des Oncotype DX-Tests attestiert das IQWiG sogar einen Anhaltspunkt für einen Schaden bei prämenopausalen Patientinnen mit Lymphknotenbefall, aber einen Anhaltspunkt für einen Nutzen bei solchen Patientinnen jenseits der Menopause.

Bei prämenopausalen Patientinnen ohne Lymphknotenbefall, aber mit hohem Risiko war für das Institut bei Verwendung des MammaPrint-Tests ebenfalls ein Anhaltspunkt für einen Schaden erkennbar. Auch bei Verwendung des Oncotype DX-Tests sah das IQWiG in dieser Patientinnengruppe (prämenopausal, ohne befallene Lymphknoten) einen Anhaltspunkt für einen Schaden, und zwar unabhängig vom klinischen Risiko der Patientin.

Man sollte sich als Betroffene also sehr gut beraten lassen, ob man von dem Angebot eines biomarkerbasierten Tests beim Mammakarzinom Gebrauch macht, da man eventuell auf eine Chemotherapie verzichtet, die ein Rezidiv verhindern könnte.

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